Kundgebung in Orange fordert: „Catcalling“ soll strafbar werden

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Lautstark: 20 Trommler der Gruppe Samba Batedura begleiteten zum Auftakt der „Orange Days“ den Protestzug durch Wolfratshausen. © Hans Lippert

Zum Auftakt der „Orange Days“ zogen Vereine und Organisationen in Orange gekleidet durch Wolfratshausen. Sie kämpfen gegen Gewalt an Frauen.

Wolfratshausen - Die 20 Trommler der Penzberger Gruppe Samba Batedura waren bei ihrem Zug durch die Marktstraße nicht zu überhören, die in Orange gekleideten Teilnehmer der Demo nicht zu übersehen. Ein lautes Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzten am Samstagmittag die Vereine Frauen helfen Frauen (fhf) Wolfratshausen, Soroptimist Isartal-Bad Tölz, Kulturverein Isar-Loisach (KIL), die Initiative weiblich.wirkt und weitere Organisationen. Es war der Auftakt der „Orange Days“ im Landkreis. Am 25. November findet jedes Jahr der internationale Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen statt. Die Farbe Orange symbolisiert dabei eine Zukunft, geprägt von Frieden und Respekt.

Auch Männer schließen sich dem Marsch an

Etwa 30 Frauen und einige wenige Männer schlossen sich dem kurzen Marsch von der Bahnhofstraße bis zum Marienplatz an. Dort fand eine Kundgebung mit musikalischer Begleitung durch Hans Gärtner statt. Claudia Harrasser, Päsidentin der Soroptimistinnen, sagte, Gewalt gegenüber Frauen nehme leider immer mehr zu. Gleichzeitig rücke das Thema aber auch mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein.

Sandra Gmeiner von Frauen helfen Frauen informierte über die Hilfsangebote ihres Vereins mit Sitz in der Bahnhofstraße 13. Dort gebe es eine ambulante Beratungsstelle und einen 24-Stunden-Notruf. Der Verein verfüge zudem über ein Frauenhaus mit sechs Plätzen, in dem Frauen und Mütter mit Kindern vorübergehend Zuflucht finden.

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„Sexismus im Alltag ist weit verbreitet“ – Orange Days in Wolfratshausen

Daniela Satzinger vom KIL sagte, auch dem Kulturverein sei es ein Anliegen, auf Missstände hinzuweisen. „Wir versuchen, überall dort aufmerksam zu machen, wo Frauen zu kämpfen haben“. Das beginne bei abfälligen Bemerkungen, Anstarren oder Hinterherpfeifen („Catcalling“) im öffentlichen Raum und gehe bis zu häuslicher Gewalt. Denn, das wissen auch die Mitarbeiterinnen von fhf: In den meisten Fällen finden Übergriffe in den eigenen vier Wänden statt.

Nicoline Pfeiffer, die Leiterin des Frauenhauses Wolfratshausen, schilderte anonymisiert einige erschütternde Fälle aus ihrer langjährigen Tätigkeit. Es gebe zwar Verbesserungen zum Schutz von Frauen seit der Istanbul-Konvention von 2018. Aber es sei immer noch vieles im Argen. „Sexismus im Alltag ist weit verbreitet. Deshalb kämpfen wir unter anderem dafür, dass Catcalling wie in anderen Ländern strafbar wird“, sagte Pfeiffer. Sie betonte, dass Straftäter viel häufiger deutsche Männer als Männer mit Migrationshintergrund seien. Dieses Bild gelte es, „einmal geradezurücken“.

Der Wolfratshauser Hans Gärtner sang passend zum Thema Friedenslieder und, ironisch, den Schlager „Das bisschen Haushalt“. Die Sambagruppe unter der Leitung von Jürgen Schermukschnis unterstützte die Veranstaltung ohne eine Gage zu verlangen. Die bunt gemischte Truppe würde sich über neue Mitglieder freuen (Infos auf Instagram).

Am Sonntagabend lief im Capitol Filmtheater in Tölz die Dokumentation „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner, in der es um starke Frauen in der Politik geht. Der Film wurde präsentiert von Soroptimist Isartal-Bad Tölz und der landkreisweiten Initiative weiblich.wirkt.

Tanja Lühr

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