Gewalt gegen Frauen – Weißer Ring warnt: „Es gibt eine wahnsinnige Dunkelziffer“

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Setzen sich für Frauen ein , die häusliche Gewalt erfahren: Kristin Hoffmann (l.) und Susanne Seßler vom Weißen Ring in Dachau. © vm

Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Am internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen hat der Weiße Ring Dachau einen wichtigen Rat für Betroffene.

Das Grauen zu Hause beginnt meist mit Worten. Bis für Frauen ihr Liebesglück zum Alptraum und die eigenen vier Wände zur tödlichen Falle werden, vergehen in der Regel viele Jahre – voller Demütigungen, Drohungen, Schläge und Schikanen. Oft hinter verschlossenen Türen.

Hilfe für Betroffene

Der Weißer Ring: 01 51/55 16 46 69 oder dachau@mail.weisser-ring.de; die Organisation arbeitet überwiegend ehrenamtlich und ist auf Spenden angewiesen. Nähere Informationen gibt es unter weisser-ring.de/unterstuetzer.
Dachauer Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (DISTEL): 0 81 31/ 7 43 44;
Polizei-Notruf: 110, rund um die Uhr;
Kostenloses Hilfetelefon für Frauen: 11 60 16, rund um die Uhr;
Frauennotruf Dachau: 0 81 31/ 2 63 99, rund um die Uhr

Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis Dachau 251 Fälle häuslicher Gewalt mit 263 Opfern – 182 von ihnen waren weiblich. „Die Aufklärungsquote ist sowohl für den Zuständigkeitsbereich Oberbayern Nord als auch für den Landkreis Dachau bei über 99 Prozent, da die Tatverdächtigen meist aufgrund der Vorbeziehung bekannt sind“, teilt Kriminalhauptkommissarin Michaela Grob mit.

Sehr häufig sind Alkohol und Drogen im Spiel. Da wird die Hemmschwelle viel leichter überwunden.

Häusliche Gewalt: Das stille Leid hinter verschlossenen Türen

In vielen Fällen bleibt häusliche Gewalt jedoch jahrelang unbemerkt. Langsam schleicht sie sich in das Leben der Betroffenen. Viele ziehen sich zurück – entweder, weil ihnen im Freundes- und Familienkreis wiederholt nicht geglaubt wird, oder weil der Partner sie gezielt isoliert. Viele Opfer schützen die Täter, die nach Gewaltausbrüchen oft Reue zeigen. Viele wollen den Anschein einer heilen Beziehung wahren. Viele glauben sogar, selbst Schuld an ihrem Elend zu sein. „Es ist ein Wechselbad der Gefühle“, erklärt Susanne Seßler. Seit 29 Jahren leitet sie die Außenstelle des Weißen Ring in Dachau. In dieser Zeit sind ihr viele Fratzen der Gewalt gegen Frauen begegnet. Stalking, Tritte, Kratzer, Bisse. Oft auch Vergewaltigungen. Die Täter stammen aus allen Gesellschaftsteilen. „Sehr häufig sind Alkohol und Drogen im Spiel. Da wird die Hemmschwelle viel leichter überwunden“, sagt Seßler.

Zwischen zehn und 20 Fälle im Jahr betreuten sie und ihr elfköpfiges Team aus ehrenamtlichen Helfern aktuell im Landkreis Dachau. Vor allem seit Corona bemerkt der Weiße Ring einen Anstieg. „Es gibt eine wahnsinnige Dunkelziffer“, sagt Kristin Hoffmann. Seit acht Jahren unterstützt sie in Not geratene Frauen beim Weißen Ring in Dachau. Sie weiß: Die Täter schlagen oft an Stellen, die man nicht sieht, und die Opfer versuchen die Prügel zu vertuschen. „Ein Mann hat seiner Frau einmal büschelweise die Haare ausgerissen. Das ist lange nicht aufgefallen, weil sie ein Kopftuch trägt“, erinnert sich Hoffmann.

Weißer Ring Dachau hilft Betroffenen, der Gewalt zu entkommen

Der Weiße Ring unterstützt Frauen dabei, dem Strudel aus Gewalt zu entkommen. Er hilft den Betroffenen, Strafanzeigen zu stellen, aus der Wohnung zu fliehen, Unterschlupf in Frauenhäusern zu bekommen und sich ein neues Leben aufzubauen. Im Landkreis Dachau gibt es zwar Schutzräume, allerdings zu wenige, wie Seßler erklärt. Das Frauenhaus in Dachau ist immer voll.

Besonders erschütternd sind für sie und ihr Team die Fälle, in denen Frauen nach ihrer Flucht ins Frauenhaus wieder zu ihrem gewalttätigen Mann zurückkehren. Oft sind es die Kinder, die nach Hause wollen – und ihre Mütter unter Druck setzen. Seßler erinnert sich an einen besonders aufwendigen Fall, bei dem der Weiße Ring die Kinder heimlich aus der Kita holte, um sie in Sicherheit zu bringen. Wenige Tage später kehrte die Mutter – auf Drängen ihrer eigenen Mutter – wieder zu ihrem Mann zurück. „Das ist natürlich bitter“, sagt Seßler. Entmutigen lassen sich die Helfer des Weißen Rings von solchen Rückschlägen jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie wollen das Signal geben, dass sich Frauen nicht schämen dürfen, wenn sie wieder zum Weißen Ring kommen. „Die Hilfe bleibt erhalten“, betonen die Ehrenamtlichen.

Motivation schöpfen Seßler, Hoffmann und ihre Kollegen, wenn sie sehen, dass Frauen wieder Selbstbewusstsein gewinnen und ein normales Leben führen können – ohne ständige Panikattacken und Todesangst. „Man merkt Fortschritte, auch wenn sie langsam kommen“, sagt Seßler.

Ein wichtiger Rat für Betroffene

Für Frauen, die Gewalt erleben, sich aber noch nicht trauen, Hilfe zu suchen, haben Hoffmann und Seßler einen wichtigen Rat: Betroffene sollen das Erlebte unbedingt dokumentieren! Zum Beispiel, indem sie ihre blauen Flecken fotografieren, die Bilder ausdrucken, mit Datum und Uhrzeit versehen und außerhalb der Wohnung, etwa bei Freunden oder Nachbarn in einem Kuvert aufbewahren. „Manchmal macht es für die Frauen dann Klick und sie erkennen: Das muss ich mir nicht länger gefallen lassen.“

Demo gegen Gewalt gegen Frauen

Der Grünen-Ortsverband Petershausen lädt heute um 17 Uhr auf dem Petrichplatz zu einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen ein.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/gewalt-gegen-frauen-weisser-ring-dachau-landkreis-94053228.html