Kommunaler Wohnungsbau und faire Mieten sind Themen, mit denen sich die Tölzer SPD in der kommenden Wahlperiode beschäftigen möchte. Michael Ernst geht als Bürgermeisterkandidat ins Rennen.
Bad Tölz – Willi Streicher ist auf Rekordjagd. Im kommenden Frühjahr wird der 64-Jährige SPD-Mann 30 Jahre dem Tölzer Stadtrat angehören, worauf er sichtlich stolz ist. Der dienstälteste Mandatsträger in dem 24-köpfigen Gremium ist aber „immer noch heiß“ und will die Dauerbrenner Jod AG, Post, Moralt und Bahnhof „noch zu Ende bringen“. Er tritt im kommenden März also wieder an. Bis er die 42 Stadtrats-Jahre von Hilde Fruth (CSU) und Parteifreund Georg Eberl erreicht, dauert’s freilich noch ein bisschen.
Im „Binderbräu“ trafen sich die Genossen, um ihren Bürgermeisterkandidaten Michael Ernst zu küren und über die Stadtratsliste mit 24 Kandidaten abzustimmen. 2020 war es nicht gelungen, die Liste ganz voll zu bekommen. Die programmatischen Ziele umriss Ernst bei seiner Bewerbungsrede, die Wahlleiter Sebastian Kadach aus Lenggries launig mit den Worten „Jetzt wird’s sozusagen Ernst“ einleitete. Fürs Badeteil stellt man sich – wohl im Herderpark – eine Orangerie mit Gastronomie oder einen Botanischen Garten zum Flanieren vor. Kommunaler Wohnungsbau soll mit genossenschaftlicher Beteiligung faire Mieten nach sich ziehen. Ernst setzt auch nach wie vor auf ökologische und flexible Tiny-House-Siedlungen. Am Moraltverteiler soll der Turbo-Kreisel am besten sofort kommen, um den Verkehr zu entflechten. Der SPD gefällt auch die Idee eines zweiten Isarstegs. Der Abenteuerspielplatz, der am Girlitzer Weiher scheiterte, soll nach Vorstellung der SPD am städtischen Maxlweiher-Areal entstehen. Mehr Bürgerbeteiligung und ein ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter sind weitere Ziele von Ernst und Co..
„Es müssen endlich mehr Frauen ins Parlament“
Die Plätze auf der Stadtratsliste sind abwechselnd männlich und weiblich besetzt. „Es müssen endlich mehr Frauen in die Parlamente“, hatte die zeitlebens gewerkschaftlich engagierte Sabine Weber gefordert und sich deshalb aufstellen lassen. Hinter Ernst kandidiert Michaela Schuth-Fehr, die als Elternbeirat und Fördervereinsmitglied in der Südschule die Themen Familie, Bildung und Schule abdecken will.
Wie überhaupt die Unterstützung von aufgrund ihres Herkommens benachteiligter Kinder häufig als Motiv zum politischen Engagement genannt wurde. Einen besonderen Ansatz verfolgt dabei Lehrer Alois Friedel, der die Kids mit Boxen von der Straße holt. Dass er wie so gut wie alle ohne Gegenstimme gewählt wurde, kommentierte ein Zwischenrufer angesichts seiner hünenhaften Gestalt amüsiert mit: „Da traut sich keiner.“
Vertreter der Karwendelsiedler wollen in den Rat
„So richtig Bock“ auf die Stadtratsarbeit hat der auf Platz 3 platzierte Sascha Richter. Der Bankkaufmann und „Arbeitsschützer“ versteht sich wie Christian Röhrner (21) auch als Stimme der immer wieder unterschätzten Karwendelsiedler. Weit vorne platziert sind die altgediente Ortsvereins-Aktive Monika Singer (4) sowie ihr Sohn Christian (5). Letzterer arbeitet als Gärtner bei der Stadt Tölz. Aus den Steinwüsten Busbahnhof Isarkai und Nockherplatz könne man „deutlich mehr machen“.
Es treten auch parteifreie Kandidaten an. Volker Blätz (67) zum Beispiel. Der ehrenamtliche Richter am Sozialgericht, Didgeridoo- und Marionettenspieler will sich für junge Familien und Wohnungsbau sowie Kunst und Kultur stark machen.
Für die anwesende SPD-Landesvorsitzende Ronja Endres beginnt die Demokratie „ganz unten in den Kommunen“, wo sich Politiker unmittelbar der Kritik der Bürger aussetzen. Landratskandidat Klaus Barthel spottete über Versprechungen von CSU- und FW-Politikern, die BRB-Bahnstrecken zu elektrifizieren. In anderen Bundesländern liefen längst Akkuzüge. An die vorzeitige Verlängerung des Erbbaurechtsvertrags zwischen Landkreis, Stadt und Asklepios fürs Tölzer Krankenhaus im vergangenen Jahr hätte Barthel zudem die Bedingung geknüpft, sich um die Personalwohnungen zu kümmern.
Die SPD-Kandidaten
1. Michael Ernst, 2. Michaela Schuth-Fehr, 3. Sascha Richter, 4. Monika Singer, 5. Christian Singer, 6. Ines Männer, 7. Willi Streicher, 8. Peggy Dyballa, 9. Murat Candan, 10. Sabine Weber, 11. Alois Friedel, 12. Andrea Nonnweiler, 13. Manuel Heubeck, 14. Christa Ritschl, 15. Dominik Materne, 16. Carolin Roscher, 17. Dieter Ritschl, 18. Roswitha Renner, 19. Volker Blätz, 20. Alica Schmitz, 21. Christian Röhrner, 22. Sabiene Candan, 23. Dieter Lehmann, 24. Michael Adelsberger.
(gefettet: aktuelle Stadträte)