30 Jahre Heimatmuseum Karlsfeld: Eine Schatzkiste voller Erinnerungen

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Zu den kuriosesten Ausstellungsstücken zählt laut Horst Rubröder und Ilsa Oberbauer vom Heimatmuseumsverein Karlsfeld ein Schamottstein aus dem Kamin des Schlösschens in Oberschleißheim, den zwei Buben einmal beim Spielen in der Würm fanden. © vm

Seit 30 Jahren bewahrt der Heimatverein im alten Rathaus rund 3000 Objekte, die die vielfältige Geschichte Karlsfelds dokumentieren.

Karlsfeld – Vor drei Jahrzehnten haben sich 18 Karlsfelderinnen und Karlsfelder zusammengeschlossen und einen Verein gegründet. Ihre Mission: Die alten Bräuche dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Der Verein machte es sich seitdem zur Aufgabe, in einem Museum an seine Heimat zu erinnern – mit typischen Gegenständen, Kleidern, alten Fotos. Hier geht es aber nicht um verstaubte Exponate, hier wird Geschichte lebendig. Wer das Heimatmuseum in Karlsfeld betritt, der merkt schnell: Was Karlsfeld auszeichnet, ist nicht eine einzige bestimmte Tradition, sondern eine Vielzahl an kulturellen Einflüssen. Damals. Heute. Schon immer.

„Unser Museum hat zwei Merkmale“, erklärt Horst Rubröder, einer der Gründungsmitglieder. Es gehe nicht bloß um die Geschichte Karlsfelds, sondern auch um die Geschichte von Flucht, Vertreibung und vor allem von Integration, wie Rubröder betont. Denn das junge Karlsfeld bestand zu einem großen Teil aus Zuzüglern aus den alten Deutschgebieten, dem Sudeteneland, aus Oberschlesien, Siebenbürgen, dem Banat, der Batschka, Ost- und Westpreußen, später dann italienische, griechische, türkische Gastarbeiter, die sich in Karlsfeld ein neues Leben aufbauten und die Gemeinde auf besondere Weise prägten. „Ohne die Vertriebenen und Flüchtlinge und deren Fleiß und deren Initiative wäre Karlsfeld nicht in diesem Umfang gewachsen“, sagt Rubröder. Die Verdienste dieser Menschen wollte der Heimatmuseumsverein wertschätzen, indem er ein eigenes kleines Reich schuf, in dem Karlsfelder etwas über die damaligen Bräuche erfahren oder einfach nur in Erinnerungen schwelgen können.

Wo Geschichte lebendig wird

In vielen Ausstellungsstücken, die der Heimatmuseumsverein dauerhaft und zu besonderen Anlässen in die Vitrinen und die Räume des alten Rathauses an der Gartenstraße 6 in Karlsfeld platziert, spiegeln sich die Geschichten der Zugezogenen und der Einheimischen wider. Knapp 3000 Objekte hat der Verein seit seiner Gründung angesammelt. „Viele der ersten Exponate sind gar nicht zielführend gewesen“, erzählt die Kuratorin des Heimatmuseums Ilsa Oberbauer. Darunter waren zum Beispiel große landwirtschaftliche Geräte wie Pflüge. Vieles wurde damals kommentarlos vor das alte Freishaus, das frühere Heimatmuseum, gestellt. Vieles bewahrte der Verein vor der Sperrmüllhalde. „Da waren schon Schätze dabei“, sagt Oberbauer. Geschirr, Trachtenschmuck, handgestickte Decken oder Getreidesäcke.

Der Heimatmuseumverein legt Wert, diese kleinen Schätze nicht nur in Schränken oder hinter Glas auszustellen. Die Besucher sollen die Geschichte mit allen Sinnen erleben können. Da war einmal ein älterer Mann, der immer so geschnüffelt habe, erinnert sich Oberbauer. „Ist da irgendwas, habe ich gefragt, nicht dass da ein Kind was liegengelassen hat, was stinkt. Nein, sagte er. ,Es riecht nach der Schule, in die ich gegangen bin‘“, erzählt Ilsa Oberbauer und lacht. Die Schul-Ausstellung des Heimatmuseums ist eine der beliebtesten. „Es ist egal, ob Kinder da sind oder ältere Leute – alle setzen sich gerne in die Schule!“

Besonderer Lernort für Karlsfelder

Ein Besuch im Heimatmuseum ist, wie Ilsa Oberbauer erklärt, lohnenswert – nicht nur, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, sondern auch, „um Ehrfurcht für das zu entwickeln, was den Menschen früher fehlte oder was sie aus ihrer alten Heimat als Erinnerungsstücke mitgebracht haben“ – für den Heimatmuseumsverein sind das die größten Schätze.