Am 10. Dezember soll der Bürgermeisterkandidat der Grünen in Bad Tölz offiziell vorgestellt werden – der Name bleibt noch geheim.
Bad Tölz – Es war eine faustdicke Überraschung, als die Grünen bei den Kommunalwahlen 2020 mit acht Mandatsträgern in den Tölzer Stadtrat einzogen und Franz Mayer souverän auf dem zweiten Platz bei der Bürgermeisterwahl landete. In sechs Jahren ändert sich viel. Franz Mayer hat dem Stadtrat den Rücken gekehrt. Johanna Pfund und Moritz Saumweber treten nicht mehr an. Pfund kann Beruf (Redakteurin) und Berufung nicht mehr in Einklang bringen. Saumweber hat seinen Lebensmittelpunkt nach Fischbachau verlegt. Alle drei waren Stimmenfänger.
Die Kandidaten
1. Bärbel Weixner
2. Martin Sappl
3. Julia Bauer
4. Johannes Gundermann
5. Dorothea Bigos
6. Anton Böhm
7. Barbara Schoen
8. Christian Hoffmann
9. Christina Gassner
10. Toni Kollmeier
11. Rose-Marie Beyer
12. Achim Rücker
13. Barbara Rösch-Rupp
14. Lukas Raffl
15. Janine Hague
16. Hans-Peter Winkler
17. Ursula Fischer
18. Jannis Maurer
19. Christiane Kiener
20. Matthias Wilke
21. Jutta Pataky-Jstok
22. Phillip Kollmeier
23. Julia Schmidt
24. Richard Hoch
(gefettet: aktuelle Stadträte)
Also eine durchaus ambitionierte Aufgabe, für den kommenden Stadtrat eine zugkräftige Liste zu nominieren. 25 Stimmberechtigte hatten sich dafür zusammen mit Landratskandidat Andreas Wild im „Kolberbräu“ eingefunden. Der nach wie vor politisch aktive Franz Mayer fehlte wegen eines Trauerfalls.
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Die an die Medien tags zuvor verschickte „spannende Neuigkeit“, dass es auch einen Bürgermeisterkandidaten geben werde, entpuppte sich als Strohfeuer. Es gibt einen, verkündete ganz am Ende des Treffens die Nummer 1 auf der Liste, Bärbel Weixner. Am 10. Dezember soll er gekürt werden. Wer es aber ist, wollte sie partout nicht sagen. Die Entscheidung sei erst vor kurzer Zeit gefallen und nur einem kleinen Kreis bekannt. „Erst sollen die Mitglieder den Namen erfahren.“
Jede zweite Position war mit einer Frau besetzt
SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Ernst (SPD), der ebenfalls anwesend war und dem Avancen für eine grüne Unterstützung seiner Kandidatur nachgesagt wurden, dürfte die Bekanntgabe eines grünen Bürgermeisterkandidaten aufmerksam verfolgt haben. Die Wahl der 24 Listenkandidaten ging rasch über die Bühne. Die ersten Zwölf wurden einzeln gewählt, der Rest im Block. Jede zweite Position war mit einer Frau besetzt, das Berufsbild breit gefächert: Landwirt, Lehrer, Medienvertreter, Biologe, vom Bahnmitarbeiter bis zum Bankkaufmann. Bärbel Weixner freute sich über „die vielen jungen Leute“ und die „gute Altersmischung“. Richard Hoch (66) hatte nach zwei Perioden eigentlich nur noch Politrentner sein wollen. Auf Listenplatz 24 geht er doch nochmals ins Rennen. „Auf dass es der Liste hilft und bei mir gerade nicht reicht“, meinte er augenzwinkernd.
Martin Sappl geht in die Politik
Zweifelsohne ein Coup ist den Grünen mit der Nominierung von Martin Sappl gelungen. Der 43-jährige Bio-Landwirt vom Zwickerhof will einen Fokus auf mehr regionale und biologische Produkte zum Beispiel auch mit der Gastronomie legen. Sappl verwies auch auf seine „Erfahrungen im Umgang mit der Stadt“.
„Die Demokratie lebt durch uns“
Auf der Liste tauchen ansonsten einige Bekannte auf. Neben den amtierenden Stadträten Dorothea Bigos, Toni Kollmeier und Johannes Gundermann etwa Barbara Rösch-Rupp, die in der katholischen Kirchengemeinde engagiert ist und die Fairtrade-Stadt Bad Tölz mit angestoßen hat. Rose-Marie Beyer ist „ein halbes Leben“ mit dem örtlichen Bund Naturschutz verbunden und hat den Tölzer Garten gegründet. Diplombiologe Achim Rücker kümmert sich seit langem als Freiberufler um Moore und will ihren Schutz auf Tölzer Flur vorantreiben. Weit vorne kandidieren als Neulinge die Architektin Julia Bauer, Sozialpädagoge Anton Böhm, Gesundheitsamt-Mitarbeiterin Barbara Schoen, Diplombiologe Christian Hoffmann und Alte-Seifensiederei-Betreiberin Christina Gassner. Neben Ökologie und Klimaschutz war das Flagge-zeigen gegen Rechts eine oft gehörte Position, warum die Kandidaten antreten. „Die Demokratie lebt durch uns“, ermunterte Wahlleiter Jakob Koch zum politischen Engagement. „Zeigt den Tölzern, wo der Hammer hängt.“