Nachlese zur Tölzer Leonhardifahrt: Von Hunden und weißen Socken

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Eine Bilderbuchwallfahrt war Leonhardi in diesem Jahr. Bei der Nachlese gab es dennoch einiges zu besprechen. © Arndt Pröhl

Ein Wallfahrt wie aus dem Bilderbuch war Leonhardi in Bad Tölz. Bei der traditionellen Nachbesprechung trotzdem einzelne Kritikpunkte.

Bad Tölz „Wir wurden heuer mit schönstem Wetter beschenkt und hatten eine Bilderbuchwallfahrt“, blickte Claus Janßen, Vorsitzender des Historischen Vereins, bei der traditionellen Leonhardi-Nachbesprechung auf den großen Tölzer Festtag zurück. Man habe bei Fuhrleuten, Mitfahrern und Zuschauern allseits eine gute Stimmung erlebt, schlossen sich die Leonhardilader Anton Mayer und Michael Lindmair an. Wobei Mayer den Fuhrleuten und Mitfahrern besonders großes Lob und Dank für ihre Disziplin aussprach.

Nachlese zur Leonhardifahrt: (v. li.) Leonhardilader Michael Lindmair, Bürgermeister Ingo Mehner, der Vorsitzende des Historischen Vereins, Claus Janßen, Leonhardilader Anton Mayer und Archivar Sebastian Lindmeyr.
Nachlese zur Leonhardifahrt: (v. li.) Leonhardilader Michael Lindmair, Bürgermeister Ingo Mehner, der Vorsitzende des Historischen Vereins, Claus Janßen, Leonhardilader Anton Mayer und Archivar Sebastian Lindmeyr. © Hias Krinner

Insgesamt habe man keine Beschwerden über den Verlauf der Leonhardifahrt vernommen, so das Fazit der Organisatoren. Dennoch gebe es ja immer irgendetwas, das man besser machen könnte – sich diesbezüglich auszutauschen, dafür sei die Nachbesprechung da, meinte Janßen.

Unvernunft der Besucher nimmt zu

Was von den anwesenden Fuhrleuten kritisch gesehen wurde, waren etwa die zahlreichen Bierflaschen, die auf der Kalvarienbergwiese liegen geblieben waren. „Wenn die Wägen beim Aufbruch nach dem Gottesdienst drüberrollen und die Pferde in die Scherben treten, kann das zu beachtlichen Verletzungen führen“, so ihre Aussage. Nachgehen wolle man in diesem Zusammenhang auch der Frage, ob diese Bierflaschen alle von den Besuchern selbst mitgebracht oder entgegen städtischer Anweisung dort oben über die Theke verkauft worden waren.

Generell sei zu beobachten, so Mayer, dass das Verhalten der Besucher, wenn sie sich zwischen den Gespannen bewegen, „immer unverschämter und unvernünftiger wird. Selbst wenn sie einen Kinderwagen dabeihaben, zeigen sie keinerlei Vorsicht“.

Ärger über mitgebrachte Hunde

Missfallen erregten überdies die vielen trotz Verbot mitgebrachten Hunde entlang der Wallfahrtsstrecke. „Wir weisen alle Jahre wieder darauf hin, dass Hunde hier nicht erlaubt sind, doch es gibt immer Leute, die sich nicht daran halten“, stellte Lindmair fest. Die Hundehalter würden nicht einsehen, dass Pferde auf Hunde reagieren, so Janßen. Das oft geäußerte Argument „Mein Hund ist ja brav“ zähle in diesem Fall nicht. Es sei zu überlegen, wie man die Unbelehrbaren in die Schranken weisen könne, so das allgemeine Resümee.

Dass mit der geschwundenen Zahl an Gaststätten in der Stadt die Einkehrmöglichkeiten für die Besucher sehr begrenzt sind, war schon in den vergangenen Jahren ein Thema in der Nachbesprechung gewesen. Auch diesmal gab es eine Wortmeldung dazu: Man solle nach dem Ende der Fahrt mehr Bewirtung auf die Marktstraße bringen, lautete ein Appell an die Stadt. Die jedoch will aus Platz- und Sicherheitsgründen in diese Richtung nicht aktiv werden.

Dass die Fuhrleute indes auch Anforderungen an sich selbst stellen, ist wesentlicher Teil der Reflexion. So erntete diesmal ein Fuhrmann Kopfschütteln, der bekleidet mit Jeans und weißen Socken im Sattel gesessen hatte. „An so einem Festtag zieht man selbstverständlich sein Trachtengewand an“, waren die Anwesenden einer Meinung.

Diskurs über Goaßlschnalzer

Für Diskurs sorgte zudem die Frage, ob es sich gehöre, bereits am Morgen beim Aufstellen der Gespanne im Badeteil und dann bei der Hinfahrt zum Gottesdienst die Goaßeln schnalzen zu lassen. Auch dazu fand sich aber eine einvernehmliche Antwort: Es sei alter Brauch, dass Fuhrmann und Brettlhupfer erst nach dem Segen bei der Rückfahrt vom Kalvarienberg ihre Goaßeln in die Hand nehmen. Die Tölzer Leonhardifahrt lebe von ihrer überlieferten Prägung. „Es ist unser Bemühen, dass sie Brauchtum und Glaubenszeugnis ist und bleibt“, so Janßens Schlusswort.