Wird die Stadtpfarrkirche Schongau nun saniert und kommen bald die Glocken auf den Turm?

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Glockenweihe 1914: Von diesem Bronze-Geläut ist nur noch eine vorhanden, die anderen gingen im 2. Weltkrieg verloren. © Pfarrei Mariae Himmelfahrt

Am 18. November berät der Finanzausschuss der Diözese Augsburg über die 2,3 Millionen Euro teure Sanierung der Kirche.

Die Geschichte der neuen Schongauer Bronzeglocken ist eine zwischen Hoffen und Bangen: Das Geläut aus Passauer Guss wartet auf eine Hängung, doch zuvor müssen dringend Sanierungsarbeiten gemacht werden. Nun hat der Finanzausschuss der Diözese Augsburg das Heft in der Hand. In der kommenden Woche soll darüber entschieden werden, ob die Dachstuhlsanierung von Kirchturm und Kirchenschiff der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Schongau wie geplant Anfang kommenden Jahres beginnen kann.

Glockenaufzug im Jahr 1914: Eine der Glocken aus dieser Zeit ist noch vorhanden.
Glockenaufzug 1914: Heute benötigt man vermutlich einen Schwerlastkran. © Pfarrei Mariae Himmelfahrt

„Klar ist bisher, dass das Sanierungsprojekt einen Umfang von 2,3 Millionen Euro haben wird, wovon die Kirchenstiftung Mariae Himmelfahrt Schongau mehr als 900 000 Euro aufbringen muss“, so Schongaus Stadtpfarrer Ulrich Manz auf Anfrage unserer Zeitung. „Zu unserem großen Glück sind die neuen Glocken bereits gegossen und der Förderverein der Stadtpfarrkirche sieht es als seine Ehre an, für deren Finanzierung zu sorgen.“

Benefizkonzert für die neuen Glocken

Ein weiteres Benefizkonzert zugunsten der neuen Glocken findet in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt statt. Am Sonntag, 23. November werden um 19 Uhr der Kirchenchor, Solisten und ein Orchester unter der Leitung von Andreas Wiesmann die Messe G-Dur von Franz Schubert aufführen. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. Organisatoren dieses Benefizkonzerts sind die Förderer der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt mit Helmut Hunger sen. an der Spitze.

Zum besseren Verständnis des Glockenprojekts innerhalb dieser Sanierungsmaßnahme verweist Manz auf das Gutachten des Glockensachverständigen der Diözese Augsburg. Pater Stefan U. Kling sprach im Juli 2020 von „gravierenden Problemfeldern“. Seit seiner letzten Inspektion im Jahr 2010 sei der Glockenstuhl stark korrodiert und auch substanziell angegriffen. Kling schreibt von Rostauftrieb und größeren Abplatzungen und macht dafür eindringende Feuchtigkeit und Schmutzablagerungen verantwortlich.

Auch die Glockenjoche, also die Aufhängung, zeige fortschreitende Korrosion. Nicht zuletzt stellte Kling damals fest, dass die vier Glocken von 1949 aus Eisenhartguss, die ersatzweise für die im Zweiten Weltkrieg abgehängten Glocken auf den Turm kamen, in einem erbärmlichen Zustand sind: Die Glocken seien nicht nur an der Oberfläche korrodiert, sondern auch nach innen durchgerostet, die Gefahr der Materialermüdung und des Materialbruchs wachse.

Nach dem Rat des Glockensachverständigen, die Eisenhartgussglocken zu ersetzen, war bekanntlich Helmut Hunger sen. mit dem Verein „Förderer Mariae Himmelfahrt“ aktiv geworden, hatte begonnen, Spenden zu sammeln. 2024 wurden insgesamt sogar sechs neue Glocken für Schongau gegossen: Hunger war dem Wunsch des Glockensachverständigen gefolgt, zwei zusätzliche Bronzeglocken anfertigen zu lassen, die „dem Gesamtgeläut die glanzvolle Klangkrone verleihen“ sollen (Kling). Künftig hat das Geläut also acht Glocken. Vom Turm kommen die vier maroden Glocken, zwei aber bleiben: Die 800 Kilogramm schwere Glocke aus dem Jahr 1914 und die 100-Kilo-Glocke aus dem 18. Jahrhundert.

Stahlglockenstuhl durch Holz ersetzen

In Schongau hofft man nun auf einen baldigen Sanierungsstart. Bisher hieß es, dass andere Arbeiten an kirchlichen Immobilien in Schongau dringlicher waren. So wurde etwa die Sanierung der Kapelle Heilig Kreuz heuer beendet (wir berichteten).

„Wenn also der vorhandene Stahlglockenstuhl nicht mehr sicher ist und die Eisenhartgussglocken rosten, bleibt gar keine andere Möglichkeit, als im Rahmen des großen Sanierungsprojekts mit Außengerüst jetzt die Gunst der Stunde zu nutzen und die gesamte Glockenanlage zu erneuern“, wünscht sich Stadtpfarrer Manz eine positive Entscheidung des Diözesan-Finanzausschusses in der kommenden Woche. Nur dieses Vorgehen sei nachhaltig und auf Jahrzehnte hinaus die sicherste Lösung.

Im Jahr 2024 wurden die neuen Schongauer Glocken in Passau gegossen, noch fehlt aber der Termin für die Hängung.
Im Jahr 2024 wurden die neuen Schongauer Glocken in Passau gegossen, noch fehlt aber der Termin für die Hängung. © Förderer Stadtpfarrkirche

Kling hatte geraten, die Instandsetzung der Glockenanlage im Zuge der von der Kirchenstiftung geplanten Turm- und Außeninstandsetzung in Angriff zu nehmen. Der Stahlglockenstuhl soll durch einen hölzernen ersetzt werden.

Was passiert mit den alten Glocken?

Unklar ist, was mit den vier alten Eisenhartgussglocken geschehen soll. Sollten sie in einer anderen Kirche wiederverwendet werden, würden zwei Probleme entstehen, so Stadtpfarrer Ulrich Manz. Erstens: Ein neuer Glockenstuhl sei teuer. „Zweitens verspricht die Verrostung der Glocken nur ein ,Gnadenbrot‘ auf Zeit und nicht auf Dauer.“ Es sei fraglich, ob sich dafür ein Interessent findet. In jedem Fall bemühe sich die Kirchenstiftung um eine würdige Anschlussverwendung.