Der Eigentümerwechsel beim Hoerbiger-Werk in Schongau ist unter Dach und Fach. Betroffen sind 300 Mitarbeiter. Für die Beschäftigten soll sich erst einmal nichts ändern.
Bestätigt hatte Hoerbiger die Gespräche über den Verkauf der Kompressortechnik GmbH bereits (wir berichteten), aber ohne Namen zu nennen. Seit Dienstag sind offenbar die Verträge unter Dach und Fach. Um sich dem Wandel in der Automobilbranche anzupassen, trennt sich Hoerbiger vom Geschäft für Lamellenventile und verkauft an Nimbus, eine europäische Industrieholding mit passendem Portfolio an Industrieunternehmen, wie es gestern in einem Pressegespräch hieß.
Über Hoerbiger
Mehr als 60 Jahre reicht die Geschichte der Hoerbiger Kompressortechnik zurück. 1956 siedelte die damalige Hoerbiger & Co. KG von einem Teil der Flugzeughalle in Altenstadt in den Neubau „Im Forchet“ in Schongau um, dem heutigen Standort. Weltweit arbeiten derzeit rund 6500 Menschen an 130 Standorten in 40 Ländern im Team Hoerbiger, im Landkreis Weilheim-Schongau sind es in allen Divisionen rund 1250 Mitarbeitende. 2024 ist nach Angaben von Hoerbiger ein Umsatz von 1,466 Milliarden Euro erwirtschaftet worden, davon im Bereich Automotive 482 Millionen Euro.
Betroffen sind insgesamt 300 Mitarbeiter. Der Verkauf des Lamellenventilgeschäfts umfasst die Hoerbiger Kompressortechnik GmbH (HKS) in Schongau mit 270 Mitarbeitern sowie Teile der Hoerbiger Valves Co. Ltd in China und den indischen Geschäftsumfang für Lamellenventile. In Schongau sind sowohl die Entwicklung als auch die Herstellung von Komponenten für Kompressoren beheimatet. Diese Kompressoren finden in sehr unterschiedlichen Bereichen Anwendung, zum einen in der Kälte- und Klimatechnik, zum anderen in der Bremsluftverdichtung.
„Haben uns genau überlegt, an wen wir das abgeben“
„Wir haben uns genau überlegt, an wen wir das abgeben, wer ein besseres Elternteil sein könnte als wir“, so Thomas Englmann, Leiter der Division Automotive und Mitglied der Hoerbiger-Konzernleitung. „Wir sind überzeugt, dass wir mit Nimbus einen neuen Eigentümer ausgewählt haben, der es dem Produktbereich und dem Team ermöglicht, sein volles Potenzial zu entfalten und das Geschäft zukunftsfähig weiterzuentwickeln.“
Nimbus habe 20 Jahre Erfahrung und arbeite mit ähnlichen Unternehmen und Branchen, so Englmann. In der Hoerbiger-Mitteilung wird für Nimbus Henning Andresen zitiert. „Nimbus ist ein ,hands-on-Investor‘, der neben Kapital auch Erfahrung, Vision und Inspiration einbringt, um den Produktbereich Lamellenventil langfristig zu stärken und weiterzuentwickeln.“ Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Team und darauf, gemeinsam die nächsten Wachstumsschritte zu gestalten.
Keine Änderung für Mitarbeiter
Auf Nachfrage der Heimatzeitung soll es für die Mitarbeiter des Schongauer Werks auch nach dem Eigentümerwechsel, der für den Jahresbeginn 2026 geplant ist, keinerlei Änderungen geben. „Es bleiben die Standorte, es bleiben die Menschen, Nimbus wird alle 300 Mitarbeitenden übernehmen“, versichert Englmann. Mirko Wolf, Werkleiter bei der Hoerbiger Kompressortechnik GmbH, bleibe mit an Bord. Er soll auch in der neuen Firma die Verantwortung für den Standort behalten, hieß es. Über mögliche Änderungen bei den Arbeitsverträgen der Mitarbeiter sei ebenfalls nichts bekannt.
Zusammenarbeit soll weitergehen
Die Unternehmen wollen auch in Zukunft geschäftlich eng miteinander verbunden bleiben. „Die Zusammenarbeit wird in beide Richtungen weitergeführt“, so Englmann. Hoerbiger werde weiterhin Leistungen für die HKS erbringen. Umgekehrt werde die HKW weiterhin Komponenten an Hoerbiger liefern. Auch die bestehenden Liegenschaften bleiben wohl im Eigentum von Hoerbiger. In den kommenden Monaten, Englmann sprach von einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten, solle auch der Name Hoerbiger weitergeführt werden.
Hoerbiger-Sprecherin Anja Weidel betont, man habe eine „sorgfältige Entscheidung zum Verkauf getroffen“. Der Verkauf sei eine strategische Entscheidung gewesen. Hoerbiger wollen sich auf wenige Kerngeschäfte konzentrieren, die Kompressortechnik sei jedoch zu klein und für Hoerbiger selbst „nicht ausbaufähig“, ergänzte Englmann: „Aber wir halten am Automotive-Geschäft fest.“ Über die Höhe des Kaufpreises haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.
„Bislang hat sich Nimbus als nachhaltiger Investor gezeigt“
„Nimbus und IG Metall kennen einander – wir schätzen uns den Umständen entsprechend“, sagt Karl Musiol, Bevollmächtigter der IG Metall Oberland. Der Investor habe Erfahrung mit Tarifverträgen und Betriebsräten, das sei gut. „Bislang hat sich Nimbus als nachhaltiger Investor gezeigt“, so Musiols erste Einschätzung. Nimbus würde nicht nur Unternehmen kaufen, sondern auch investieren und die Produktivität steigern. Diese Erwartungen haben man bei der IG Metall jetzt auch: „Der Tarifvertrag muss unangetastet bleiben. Die Arbeitsplätze müssen am Standort Schongau sicher sein.“
Über Nimbus
Der deutsch-niederländische Finanzinvestor Nimbus hat nach eigenen Informationen Niederlassungen in Zeist (Provinz Utrecht), München (Maximilianstraße) und Leeds in England. Neben Kapital will man auch Expertise und aktives Engagement einbringen, heißt es auf der Internetseite. Nach diesen Informationen ist man bei Nimbus auf mittel- bis langfristige Investitionen in industrieorientierte Unternehmen mit Wachstumspotenzial spezialisiert.