Der spanische Geschäftsmann David Canales Cerdá steht vor einem paradoxen Problem: Er suchte über Nacht eine Reinigungskraft für eines seiner Unternehmen – mit regulärem Vertrag und sozialer Absicherung. Doch von den rund 80 Bewerbern, die sich meldeten, wollte keiner die Stelle unter diesen Bedingungen annehmen. Das berichtet das spanische Wirtschaftsmagazin "El Economista".
Wie Canales in einem Video erklärt, hätten alle 40 Personen, die er telefonisch erreichte, das Angebot abgelehnt. Jeweils nachdem sie erfuhren, dass es sich um eine legale Anstellung mit Vertrag handle.
Wegen legaler Konditionen: Geschäftsmann erhält nur Absagen für Stellenausschreibung
Der Unternehmer zeigte sich fassungslos über die Reaktionen. Viele der Bewerber hätten gefragt, ob die Arbeit "mit oder ohne Vertrag" sei. Sie sagten ihm sofort ab, als klar war, dass das Unternehmen ein offizielles Arbeitsverhältnis anbietet. Canales kritisiert, dass immer häufiger Bewerber nur an "Schwarzarbeit" interessiert seien, um weiterhin staatliche Zuschüsse oder Arbeitslosengeld zu beziehen.
"Dann sind wir die Bösen, die Unternehmer, die betrügen wollen", kommentiert Canales sarkastisch in seinem Video. Tausende Nutzer unterstützten ihn in den Kommentaren und warfen den Bewerbern Verantwortungslosigkeit vor.
Der spanische Arbeitsmarkt: Ein landesweites Problem
Die sogenannte Schattenwirtschaft in Spanien stellt ein großes Problem dar: Nach Studien der Fundación de las Cajas de Ahorros (Funcas) lag der Anteil im Jahr 2022 bei etwa 15,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Diese informellen Tätigkeiten reichen von Schwarzarbeit über nicht deklarierte Dienstleistungen bis hin zu Steuervermeidung.
Laut Experten untergraben sie die soziale Absicherung sowie das Vertrauen in Institutionen. Spanien gehört zu den Ländern mit besonders hohem Anteil an Schattenwirtschaft. Höhere Werte weisen unter den großen EU-Volkswirtschaften laut "Euronews" lediglich Italien oder Griechenland auf.
Spanien kämpft ohnehin mit einem schwachen Arbeitsmarkt, auch in jüngeren Bevölkerungsgruppen. Die European Employment Services (Eures) belegen das: Die Beschäftigungsquote für Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren lag in Spanien 2023 nur bei etwa 65,3 Prozent, deutlich unter dem EU-Durchschnitt von rund 70,4 Prozent.