Bozen erstickt im Touristenstrom: Einheimische fliehen vor überfüllten Gassen aus der Stadt. Ein strukturelles Problem verschärft die Situation.
Bozen – Die malerischen Gassen der Südtiroler Hauptstadt verwandeln sich in überfüllte Touristenströme. Was früher ein gemütlicher Bummel durch die historische Altstadt war, wird für Einheimische zum Spießrutenlauf. Während die Urlauber ihre Selfies schießen, bleiben immer mehr Bozener der Innenstadt fern. Auch aus Ski-Gebieten werden Einheimische vertrieben, weil die Preise für Ski-Pässe in Italien in die Höhe geschnellt sind.
Bürgermeister Claudio Corrarati schlägt Alarm: „Wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern, steht Bozen bald still.“ Aber die Menschenmassen sind laut Ildolomiti nicht das einzige Problem.
Überlaufen mit Touristen: Einwohner fliehen aus Bozens Innenstadt
Die Händler Bozens haben einen Anstieg der internationalen Touristenzahlen bemerkt. Dabei kommen die Besucher auch aus weit entfernten Ländern, ein Zeichen für die Beliebtheit der Südtiroler Stadt. Aber: Wenn der Weihnachtsmarkt stattfindet, dann machen die Händler den größten Umsatz unter der Woche. Am Wochenende meiden die Einwohner die Stadt – aus Angst vor den Touristenmassen und dem Verkehr, wie Ildolomiti berichtet. In Deutschland wurde ein Weihnachtsmarkt ganz abgesagt – Grund sind hier jedoch die hohen Sicherheitskosten.
Mirco Benetello, Direktor der Südtiroler Handelsvereinigung Confesercenti Alto Adige, beobachtet eine dramatische Verschiebung: Juli und August seien zu beliebten Besuchsmonaten für Touristen geworden. Die Belastung verteile sich nicht mehr nur auf die Weihnachtszeit. Im Dezember gebe es jedoch eine weitere Herausforderung: Bereiche in Bozen wie die Piazza Sernesi würden nur selten besucht, während sich an anderen Stellen die Menschenmassen ballen, so Benetello.
Bozen im Kampf mit Touristenmassen: Zu wenig Toiletten
Und noch ein struktureller Mangel wird zum Problem: Es sind zu wenig öffentliche Toiletten vorhanden. „Das ist ein ernstes bauliches Problem für die Innenstadt“, zitiert Ildolomiti Bozens Ladenbesitzer. Sie sehen dies als ein entscheidendes Hindernis beim Versuch, mit dem Touristenandrang klarzukommen. Die Südtiroler Handelsvereinigung möchte im Dialog mit den Händlern bleiben, um „konkrete Vorschläge und operative Lösungen umzusetzen“, wie Benetello zusammenfasst. Genauso überlaufen: Ab 2026 versucht man in den Dolomiten mit einem Slot-System die Touristenmassen zu bewältigen.
Der zunehmende Tourismus hat zwar Vorteile für die Wirtschaft, langfristig gibt es allerdings Nachteile für die Bevölkerung. Nach Rom und Mailand ist Bozen die wohlhabendste Region Italiens. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, wie Südtirol News berichtet. Wohnungen stehen leer oder werden an Touristen vermietet. Influencer verschlimmern die Situation: Ein viraler Post kann laut einem weiteren Artikel von Südtirol News Massen an Besuchern anlocken, durch die die Probleme noch verschärft werden. (Quellen: ildolomiti.it, suedtirolnews.it) (resa)