Kampf um jede Apotheke: Verbünde sichern das Überleben – Keine weitere Schließung absehbar

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Apotheker aus Leidenschaft: Elias Küffer führt die Isar-Apotheke in Wolfratshausen, die Ostufer-Apotheke in Münsing und die Paracelsus-Apotheke in Geretsried. © Sabine Hermsdorf-hiss

Im Landkreis verhindern Zusammenschlüsse und Nachfolger den Rückgang der Apothekenzahl – doch die Nachwuchssuche bleibt schwierig.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Alle 18,5 Stunden schließt eine Apotheke in Deutschland – für immer. Mit dieser Statistik macht der Pharmagroßhändler Noweda derzeit in einer Kampagne auf die Situation der Apotheken aufmerksam. Ganz so schlimm steht‘s um die Apotheken im Landkreis noch nicht. Doch auch hier ist viel Bewegung in der Branche. Der Trend geht zu Verbünden, um das Überleben zu sichern.

Je näher das Jahresende rückt, desto mehr Gerüchte gibt es in einigen Gemeinden auch um Schließungen. Hintergrund sei der Jahreswechsel als klassischer Zeitpunkt für Übergaben oder Geschäftsaufgaben, erklärt Christopher Hummel, Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands im Landkreis.

Linden-Apotheke in Königsdorf bleibt

Eine Sorge kann der Apotheker gleich persönlich ausräumen: Neben der Michaeli-Apotheke in Gaißach und der Kur-Apotheke in Bad Heilbrunn wird Hummel ab 1. Januar auch die Linden-Apotheke in Königsdorf weiterführen. Die Übergabe von Monika Boettcher sei bereits offiziell – schließen wird die Apotheke definitiv nicht. „Es geht nahtlos weiter mit dem gleichen Team wie bisher“, erklärt der Sprecher.

Neuer Verbund mit drei Apotheken

Ebenfalls eine glückliche Lösung wurde für die Isar-Apotheke in Wolfratshausen, die Ostufer-Apotheke in Münsing und die Paracelsus-Apotheke in Geretsried gefunden: Elias Küffer, zuvor Filialleiter in Geretsried, hat von seiner früheren Chefin Elvine Engelhardt schon zum 1. September alle drei Apotheken im Verbund übernommen. Gerüchte im Dorf, denen zufolge die Ostufer-Apotheke schließe, dementiert Küffer. „Die Apotheke bleibt geöffnet“, betont er auf Anfrage.

Wohl keine Schließung in Wolfratshausen

Ebenfalls die Runde gemacht hat in der Region das Gerücht, es gebe einen Wechsel in der Rosenapotheke in Wolfratshausen. Dem Vernehmen nach soll jedoch keine Schließung im Raum stehen. Bestätigen ließ sich diese Information bisher nicht – der Inhaber war für unsere Zeitung nicht erreichbar.

Wie berichtet, hat schon im Sommer die Marien-Apotheke in Wolfratshausen geschlossen. „Die bestehenden Apotheken entsprechen der Zahl, die wir auch brauchen“, sagt Apotheker Küffer dazu. „Wenn es weniger werden, würden wir in eine Versorgung rutschen, die durchaus happig wäre.“

Neueröffnung in Geretsried

Ausgleich nach dem Aus der Johannis-Apotheke in Geretsried vor einigen Jahren schafft seit mehreren Monaten die neu eröffnete Rehmaus-Apotheke an der Sudetenstraße. Weitere Neuerungen sind zumindest im Nordlandkreis bisher nicht bekannt geworden. Verbandssprecher Hummel sagt: „Wir versuchen alles, dass Vor-Ort Apotheken erhalten werden.“ Auch die Bayerische Landesapothekerkammer unterstütze bei Interesse, einen Nachfolger zu suchen. „Das ist sehr wichtig für uns.“

Herausforderungen bei der Nachfolgersuche

Oft sei es aber schwierig, einen Nachfolger zu finden. „Das Problem ist, dass es dafür kaum einen Markt gibt“, erklärt Hummel. Die Selbstständigkeit gehe mit viel Arbeit, viel Verantwortung, Notdiensten und vergleichsweise geringer Bezahlung einher. „Als Angestellter hat man diese Probleme nicht.“ Ernsthafte Interessenten sind in der Folge „Mangelware“ – wodurch selbst gut geführte Apotheken teilweise schließen müssen.

„Kleine Einzelapotheken haben es schwer.“

Ihm selbst liege die Versorgung auf dem Land am Herzen, betont Hummel. Durch den Verbund mit drei Apotheken lasse sich vieles kompensieren und die Arbeit anders einteilen. Der Einkauf wird bei größeren Mengen etwas günstiger. „Es ist aber nicht die Regel, dass man Landapotheken kauft“, sagt der Apothekensprecher.

Dabei sei die Versorgung als erster Zugang zum Gesundheitssystem sehr wichtig, meint Küffer. „Ich möchte nicht klagen, weil ich weiterhin viel Potenzial in Apotheken sehe“, sagt er. Grundsätzlich sei die Versorgung hier auch noch stabil. „Kleine Einzelapotheken haben es aber schwer.“ Von einem Überangebot sei der Landkreis weit entfernt: „Jede Apotheke hat ihre Berechtigung.“ Einig sind sich die Apotheker darüber, dass politischer Handlungsbedarf bestehe, um die Situation zu verbessern.

Forderungen an die Politik

Hummel hofft dabei auf Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Seit Jahren würden die Apotheken vertröstet, wenn es darum gehe, das Fixum zu erhöhen. Der Festbetrag pro verschreibungspflichtiger Medikamentenpackung liegt seit 2013 bei 8,35 Euro. Im Koalitionsvertrag ist eine Erhöhung auf 9,50 Euro vorgesehen, ländliche Apotheken sollen bis zu elf Euro bekommen. Die geplante Apothekenreform habe aber nichts mehr damit zu tun, was im Koalitionsvertrag stehe, kritisiert Küffer. Apotheken sollten demnach nur mehr Kompetenzen bekommen – „allerdings ohne adäquaten Lohn“.

Zuletzt liegt die Hoffnung deshalb auch auf den Kunden, meint Hummel. „Jeder Bürger hat es selbst in der Hand, wo er einkauft und damit unterstützen kann.“ nap