Penzberg: Wird die Steigenberger Kirche zur Kletterhalle? Zukunft des Gotteshauses ungewiss

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Betretene Gesichter bei Pfarrer Bernhard Holz (li.) und Diakon Christoph Schwarzer: Die Zukunft der Steigenberger Kirche als Gotteshaus sieht düster aus. © Sandra Gerbich

Um die Zukunft der Steigenberger Kirche ging es vergangenen Samstag bei einem Infoabend. Die Penzberger Pfarrei Christkönig kann sich den Unterhalt zweier Kirchen nicht leisten. Auch eine andere Nutzung, beispielsweise als Kletterhalle, wurde thematisiert.

Penzberg – Leere Gotteshäuser, steigende Zahlen der Kirchenaustritte; und in der Folge sinkende Steuereinnahmen: Das ist der anhaltende Trend in den christlichen Kirchen Deutschlands. Auch die katholische Pfarrei Christkönig in Penzberg ist davon betroffen. Den Notknopf drückte die Kirchenverwaltung bereits Anfang 2024 und machte sich an eine Bestandsaufnahme. Das Ergebnis: Zwei Kirchen sind zu viel. Anders als bei der denkmalgeschützten Christkönigskirche – sie soll erhalten bleiben – ist die Zukunft der Steigenberger Kirche unsicher. Nun luden Vertreter der Pfarrei zu einem Lokaltermin am vergangenen Samstag in das Gotteshaus ULF in Steigenberg ein. Unterm Strich ist sogar die Nutzung als Kletterhalle denkbar.

Zwei Kirchen sind zu viel – was aus der Steigenberger Kirche in Penzberg werden könnte

Den Schlusssegen der Abendmesse stellte Pfarrer Bernhard Holz an diesem Tag ausdrücklich in den Dienst der prekären Situation des Gotteshauses. Rund 50 Gläubige beteten in der Kirche „Zu Unserer Lieben Frau von Wladimir“ für ihre seelsorgerische Heimat. Zum Infoabend über die Zukunft der Steigenberger Kirche gesellte sich nach dem Gottesdienst ein knappes Dutzend Interessierte hinzu. Der Anlass war und ist ernst: Zwei Kirchen in Penzberg sind eine zu viel.

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Interessierte Besucher: Verwaltungsleiter Bernd Rosenberger informierte die Teilnehmer des Infoabends in der Steigenberger Kirche über mögliche Wege raus aus der Krise. © Sandra Gerbich

Bereits im Januar 2024 hatte die Stabsstelle Immobilieninfrastruktur des Bistums Augsburg ein Pilot-Projekt angestoßen, in welchem die Gebäude der Pfarrei unter die Lupe genommen wurden. „Beide Kirchen sind mit unseren finanziellen Mitteln nicht zu erhalten“, sagte Bernd Rosenberger nun. Der Verwaltungsleiter der Pfarrei Christkönig konfrontierte die Gläubigen und Interessierten beim Infoabend mit ernüchternden Ergebnissen. Rund 600.000 Euro wären in den nächsten Jahren für den Erhalt der Steigenberger Kirche erforderlich. Lag die Zahl der Kirchensteuerpflichtigen der Pfarrei 2007 noch bei etwa 7.000, ist sie mittlerweile auf unter 5.000 gesunken.

Ändern oder abreißen: Immobilienkonzept für Steigenberger Kirche in Penzberg

In das so genannte pastorale Immobilienkonzept fallen Vorschläge, die von grundlegenden Nutzungsänderungen bis hin zu einem vollständigen Rückbau reichen. Vorstellen könne man sich auf dem Grundstück „gemischte Wohnformen“ kombiniert mit einem Andachtsraum. Man sei völlig „ergebnisoffen“, betonte Rosenberger, und daran interessiert, alle Pfarreimitglieder mitzunehmen. „Bringen Sie Ihre Ideen ein“, bat der Verwaltungsleiter. „Unser Ziel ist es, in Menschen zu investieren, nicht in Gebäude.“.

Die Stadt Penzberg jedenfalls hat kein Interesse an der Immobilie. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) nutzte die Gelegenheit und ergriff das Wort. Vor etwas mehr als zwei Wochen habe man das Thema im Stadtrat nichtöffentlich behandelt. „5.000 Quadratmeter sind schon eine Hausnummer“, so der Rathauschef. Stadtoberhaupt Korpan versprach jedoch, „den Vorgang“ zu unterstützen.

Sorgen bereitet laut Diakon Christoph Schwarzer die Frage nach den Erben des Architekten der Kirche, Georg Schiener aus Gräfelfing. Nach dessen Plänen wurde Anfang der 60er Jahre die Steigenberger Kirche gebaut und 1964 eingeweiht. Die Urheberrechte bestehen, so Schwarzer, bis 70 Jahre nach dem Tod Schieners vor elf Jahren. „Dieses Problem muss unbedingt gelöst werden.“

Kirche als Kletterhalle? Zukunft der Steigenberger Kirche in Penzberg ungewiss

Die Idee, im Kirchenraum eine Kletterhalle unterzubringen, nahm Gestalt an, als Michael Ciazynski ans Mikrofon trat. Die Penzberger Alpenvereins-Sektion Neuland habe konkretes Interesse daran, künftig einen Teil der Kirche als Kletterhalle zu nutzen, so der Fach- und Jugendgruppenleiter. Mit ihren lichtdurchfluteten Fenstern eigne sie sich – verbunden mit Umkleidemöglichkeiten und einem Café – als Raum, „dessen Strahlkraft wir unbedingt erhalten möchten.“ Der Bedarf an einer Kletterhalle – neben der in Bad Tölz – sei groß. Die örtliche Sektion zählt laut Ciazynski rund 2.500 Mitglieder. Hinter ihr stünde ein finanzkräftiger Hauptverband, und vielleicht kämen noch Sponsoren hinzu.

Workshop soll Klarheit und Ideen bringen

Für Freitag (30. Januar) 2026, 16 Uhr, ist ein Workshop geplant, zu dem alle Kirchgänger und Interessierten eingeladen sind. Bis dahin sollen auf Anregung eines Pfarreimitglieds in der Kirche Stellwände über die Situation und Beispiele alternativer Nutzungsformen informieren.

Für Rosenberger ist alles besser als der Abriss. Und ein „ertragreicher Erhalt besser als der Verkauf“ – den man, so der Verwaltungsleiter, „nur einmal tätigen“ könne. „Wenn die Immobilie einmal weg ist, haben wir unseren Trumpf hergegeben“, mahnte Rosenberger. Nur in der Verhandlungsphase und mithilfe eines so genannten städtebaulichen Vertrags ließen sich Fragen der Nutzung sowie des Umbaus steuern. Ein Zeitfenster nannten die Sprecher nicht. „Wir wollen aber spätestens in fünf Jahren so weit sein, dass wir eine Entscheidung treffen können“, sagte Pfarrer Bernhard Holz.

Sorge um Steigenberger Kirche: Penzberger Pfarreimitglied äußert sich

Claudia Schmidbauer fürchtet um die Zukunft ihrer Kirche. Das Haus Gottes sei ein Ort, „in dem Menschen Gott begegnen können“, so das Pfarreimitglied. Auch der Erhalt der Kirche sei eine Investition in Menschen. „Seelsorge passiert dort, wo man sich um die Seele sorgt.“

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