Der Gemeinderat entscheidet am 10. November, ob die 79 Wohnungen am Teilsrain verkauft werden – Vereinsmitglieder sind enttäuscht.
Steinebach - In der Bürgerfragestunde vor Beginn der Gemeinderatssitzung in Wörthsee am Mittwoch entlud sich eine Menge Frust. Grund ist die Überlegung des Investors Dr. Max von Bredow, die geplanten 79 Wohnungen am Teilsrain nicht zu vermieten, sondern zu verkaufen. „Das zieht einem den Boden weg“, sagte Thomas Rößler vom Verein Wohnen am Teilsrain.
Der Verein Wohnen am Teilsrain hat sich vor neun Jahren gegründet. Ziel war, auf dem derzeit brach liegenden Acker neben dem mittlerweile gebauten Supermarkt am Teilsrain ein genossenschaftliches Wohnprojekt zu entwickeln. Was dann geschah, ist oft erzählt: Die Münchner Wohngenossenschaft Wogeno übernahm das Projekt, dann ging mit Architektenwettbewerb, Ratsbegehren und Bürgerentscheid, Ukraine-Krieg und steigenden Baukosten eine Menge Zeit ins Land, die Wogeno zog aus Kostengründen die Reißleine. Mit der Max-von-Bredow-Baukultur GmbH, die das Projekt fortsetzen wollte, schien die Kuh vom Eis. Mittlerweile ist Stand, dass die Gemeinderäte am Montag, 10. November, in einer Sondersitzung darüber zu entscheiden haben, ob sie das aktuelle Angebot des Bauherren annehmen, der nun aus Kostengründen die 79 Wohnungen nicht mehr vermieten, sondern verkaufen möchte.
„Wir haben davon leider aus der Zeitung erfahren“, sagte Rößler. Ein Wohnungskauf sei für einen Großteil der Mitglieder nicht finanzierbar. „Wir können als Verein zumachen.“ Zuvor hatte Christine Karg-Oster, ebenfalls Vereinsmitglied, an die Begeisterung erinnert, mit der sich die Mitglieder vor neun Jahren in das Projekt gestürzt hätten. „Wir haben uns neuen Situationen angepasst, Veränderungen mitgemacht.“ Die aktuelle Entwicklung jedoch sei „schwer zu ertragen“. Es gebe Mitglieder, die aus ihren Häusern rausgehen wollten, um sie den Kindern zur Verfügung zu stellen. „Was ist mit denen?“ Eine andere Bürgerin stellte fest: „Wir sind in vierter Generation in Steinebach und können uns nur Miete leisten. Gibt es eine Vision?“
„Wir wissen, dass das nicht optimal ist für viele“, sagte Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Es werde versucht, auch für den Verein Lösungen zu finden. Dazu zähle die Überlegung, dass die Gemeinde einen Teil der Wohnungen selbst erwerbe und dann vermiete. Für die Wohnungen, die zu einem Teil im Rahmen eines Einheimischenmodells verkauft werden sollen, stehe ein Kaufpreis von 6500 Euro pro Quadratmetern zur Diskussion. Darin sind auch die Gemeinschaftsräume, Notar und Grundsteuer enthalten. Nur die Garage kostet extra. Die restlichen Wohnungen sollen für 8500 Euro pro Quadratmeter veräußert werden. Diese Angaben sind noch nicht bestätigt.
Treffen mit Verein vor dem 10. November
Nach Rücksprache mit der Wogeno sprach Muggenthal auch von einer Einlage in Höhe von 91 000 Euro, die Genossenschaftsmitglieder unter den derzeitigen Bedingungen zahlen müssten. Den Mietpreis hatte die Wogeno schon mit 33 Euro pro Quadratmeter, aktueller Stand, beziffert. Diese Summen waren auch der Grund, weshalb die Wogeno von dem Projekt Abstand genommen hatte. Dem Verein Wohnen am Teilsrain bot Muggenthal noch in der Sitzung ein Gespräch an, möglichst vor der Entscheidung am 10. November.
Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur bestätigte Muggenthal gestern, dass sich die Gemeinde im städtebaulichen Vertrag die Möglichkeit offen halten wolle, selbst Wohnungen zu kaufen. „Aber wer weiß, was in eineinhalb Jahren ist?“ Derzeit entstehe in der Nähe des Projekts das Heizkraftwerk für das gesamte Quartier, in das die Gemeinde auch schon investiert habe. „Wenn der Hauptabnehmer wegfällt, ist das auch für uns ein Desaster.“ Sie versuche zu retten, was zu retten sei. „Aber ich verstehe die Enttäuschung, weil es für viele auch ein Lebensplan war.“
Der Verein Wohnen am Teilsrain sei bereits am 15. Oktober bei einer Videokonferenz über das Angebot von Max von Bredow informiert worden, so die Bürgermeisterin. Die Enttäuschung über die Entwicklung ist auch der jüngsten Veröffentlichung auf der Internetseite des Vereins zu entnehmen. „Der Vorstand unseres Vereins war nicht in die Entscheidung über dieses neue Modell eingebunden. Uns war lediglich bekannt, dass es im Projekt wirtschaftliche Schwierigkeiten gab“, heißt es dort.