Es geht um Milliarden: Umstrittenes OnlyFans-Imperium steht zum Verkauf

Die umstrittene Porno-Plattform OnlyFans steht offenbar vor dem Verkauf. Laut „Reuters" laufen derzeit Gespräche zwischen dem Betreiberunternehmen Fenix International Limited und einer Investorengruppe unter Führung der US-Investmentfirma Forest Road Company. 

Forest Road ist vor allem auf Medien- und Energieinvestitionen spezialisiert und soll laut „Financial Times" gemeinsam mit weiteren Geldgebern – darunter die britischen Immobilienmilliardäre David und Simon Reuben – die Kontrolle über die Plattform übernehmen wollen.

OnlyFans: Social Media trifft Sexarbeit

OnlyFans funktioniert nach einem einfachen, aber höchst lukrativen Prinzip: Nutzerinnen und Nutzer können dort Profile anlegen und exklusive Inhalte hinter einer Paywall anbieten. Der Zugang erfolgt über ein monatliches Abonnement – meist zwischen fünf und 50 Dollar –, zusätzlich können Fans Trinkgelder oder Einmalzahlungen leisten. 

Im Gegensatz zu klassischen Pornoportalen bietet OnlyFans ein Modell, das auf direkter Interaktion zwischen Creator und Publikum basiert. Die Plattform versteht sich offiziell als Ort für alle Arten von Inhalten – von Fitness über Musik bis zu Comedy –, tatsächlich ist der überwiegende Teil der Beiträge jedoch pornografischer Natur. 

Die Abonnenten können direkt mit den Creators chatten oder sich personalisierte Inhalte wünschen – eine Mischung aus Social Media und Sexarbeit, die den Erfolg der Plattform erklärt.

Mit einem möglichen Besitzerwechsel könnte nun der nächste große Schritt in der Geschichte von OnlyFans bevorstehen. Wie die „FAZ" berichtet, liegt die Bewertung der Plattform zwischen sieben und acht Milliarden US-Dollar – erstaunlich niedrig angesichts eines Vorsteuergewinns von 684 Millionen Dollar im Jahr 2024 und einer Gewinnmarge von fast 50 Prozent. 

Der jetzige Eigentümer, der ukrainisch-amerikanische Investor Leonid Radvinsky, hatte laut Medienberichten 2018 die Mehrheit von Gründer Tim Stokely übernommen – angeblich für rund 100 Millionen Dollar. Selbst ein Verkauf unter dem kolportierten Preis wäre für ihn also ein lukratives Geschäft.

Warum der Preis so niedrig ist

Wie die „FAZ" berichtet, sehen viele Branchenkenner die Zurückhaltung potenzieller Käufer in ethischen Auflagen und rechtlichen Grauzonen begründet. Pensionsfonds und institutionelle Anleger dürfen oft nicht in pornografische Inhalte investieren. 

Hinzu kommen Probleme mit Zahlungsanbietern und die Abhängigkeit von unterschiedlichen nationalen Gesetzeslagen. Wie die Erotikberaterin Pauline Schmiechen im Interview mit der  „FAZ" berichtet, gibt es nur wenige Player, die in diesem Bereich aktiv sind – etwa das Medien- und IT-Unternehmen  Aylo, dem auch Pornhub und YouPorn gehören.

Von der Corona-Nische zum Milliardenkonzern

Befürworterinnen sehen in OnlyFans eine Revolution der Erotikindustrie: Frauen und queere Personen könnten dort selbstbestimmt über ihre Inhalte und Einnahmen entscheiden, fernab klassischer Agenturen und Produktionsfirmen. Creator behalten 80 Prozent ihrer Einnahmen. Für einige gilt die Plattform deshalb als Werkzeug der Selbstermächtigung, das es ermöglicht, unabhängig von Strukturen zu arbeiten, die lange Zeit männlich dominiert waren.

Doch Kritikerinnen wie die Psychotherapeutin Ingeborg Kraus sehen in diesem vermeintlich emanzipatorischen Modell eine neue Form digitaler Prostitution. Viele Frauen stünden unter enormem Druck, immer mehr und explizitere Inhalte zu liefern, so Kraus gegenüber der „FAZ". Der ständige Kontakt mit zahlenden Fans, die oft persönliche Nähe einfordern, könne psychisch belastend sein – bis hin zu einer Form emotionaler Erschöpfung. 

Auch die Psychologin Dr. Julia Horstmann beschreibt im Interview mit „Forbes", dass das Geschäftsmodell von OnlyFans nicht nur auf Sichtbarkeit, sondern auf dauerhafte emotionale Bindung setze. Typische Begleiterscheinungen seien Angst, Scham und Selbstwertprobleme, wenn Creator das Gefühl haben, ständig neue Grenzen überschreiten zu müssen, um relevant zu bleiben. Die vermeintliche Kontrolle über den eigenen Körper verwandle sich so oft in eine ökonomische und emotionale Abhängigkeit.

Rechtliche Risiken und öffentliche Kritik

Trotz einer „Null-Toleranz“-Politik bezüglich minderjähriger Mitglieder, gerät die Plattform auch in Bezug auf Kinderpornografie immer wieder in die Kritik. Eine „Reuters"-Recherche deckte 2024 Fälle auf, bei denen nicht klar war, ob die Creator tatsächlich volljährig waren. OnlyFans betont zwar seine Zusammenarbeit mit dem National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC), doch Ermittler bemängeln die schwer überprüfbare Struktur hinter den individuellen Paywalls.

In einigen Ländern wird die Plattform mittlerweile rechtlich eingeschränkt. Schweden etwa verbietet seit 2025 den Kauf individuell bestellter sexueller Inhalte – damit trifft das Gesetz direkt das Geschäftsmodell von OnlyFans.

Sollte der Verkauf zustande kommen, könnte er den nächsten Wendepunkt in der Geschichte einer Plattform markieren, die wie kaum ein anderes Unternehmen zwischen Selbstbestimmung, Ausbeutung und digitalem Kapitalismus balanciert. Für Radvinsky wäre es wohl der Deal seines Lebens – und für die Käufer die Wette darauf, dass das Geschäft mit der Intimität im Netz noch lange nicht am Ende ist.