Seit mehr als vier Jahrzehnten prägt Thomas Schmid (65) das kulturelle und soziale Leben in Ottobrunn und München. Jetzt wurde sein Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.
Am, Tag, als der Brief zu Hause ankam, hat Thomas Schmid im Adressfenster nur „Bayerisches“ entziffern können. Herrje, dachte sich der Ottobrunner. Vielleicht Bayerisches Polizeiverwaltungsamt? „Wahrscheinlich bin ich geblitzt worden“, schloss er beim Überfliegen des Umschlags. Doch weit gefehlt. Es handelte sich um ein Schreiben des Bayerischen Wissenschafts- und Kunstministeriums. Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder werde ihm, Thomas Schmid, der Bundespräsident den Bundesverdienstorden am Bande verleihen – aufgrund seines kulturellen und gesellschaftlichen Engagements.
Nicht nur beim Sängerkreis Ottobrunn ist man über seinen ehrenamtlichen Einsatz voller Begeisterung. Aber der große Teil findet in München statt. Man denke an die Benefizkonzerte für die Münchner Tafel in der Heilig-Geist-Kirche, um für bedürftige Menschen in der eigenen Stadt etwas zu tun. Damit die große Kirche gefüllt werden kann, braucht es viel Kraft und Aufwand. Unter anderem unterstützte auch der durch seine Bücher sehr bekannte Pfarrer Rainer Maria Schießler die Konzertaktion für den guten Zweck. Die beiden pflegen eine gute Bekanntschaft und sind immer wieder einmal im freundlichen Austausch miteinander („Herr Schmid, servus!“). Dadurch bekamen die Konzerte weiteren Zulauf. Damit nicht genug, reiste der Ottobrunner Sängerkreis vor ein paar Jahren als musikalischer Botschafter nach Rom und durfte unter der Leitung von Thomas Schmid im Petersdom sogar einen Gottesdienst mitgestalten.
Die Nähe zum religiösen Umfeld ist Thomas Schmid förmlich in die Wiege gelegt worden. Zunächst durch einen Umstand, der Besorgnis hervorrief, bevor sich alles zum Guten fügte. Denn als Säugling wurde er mit der Grippe angesteckt, bekam eine Lungenentzündung und litt später seither an Asthma. Also kam er zur Atemtherapie, wurde auf Kur geschickt und als weiteres Hilfsmittel entdeckten die Eltern den Gesang und ließen ihren Sohn in der Musikschule dafür anmelden. Verbunden damit war die richtige Atemtechnik. Hinzu kamen als Komponenten für den späteren Erfolg das Klavierspiel und die Faszination, die die Orgel auf den Ministranten damals in Ramersdorf ausübte.
Mithilfe dieser drei Zutaten war das Fundament gelegt. Anfang der 1980er Jahre gründete der musikalisch begabte junge Mann seinen ersten Kammerchor, die Capella mediaevalis. Höhepunkt war die Einspielung der Bayerischen Messe von Helmut Zöpfl, der erste Schallplattenauftrag für Schmid und seine Sänger. „Das ist auch aktuell die einzige Aufnahme dieses Werkes, die immer noch erhältlich ist.“ Sie sollte auch bei einem Gedenkgottesdienst an Franz Beckenbauer gespielt werden. Dafür ist jedoch noch kein Termin gefunden worden. Das letzte gemeinsame Projekt war die bayerisch-israelische Hymne. Dadurch sollte die Freundschaft zwischen beiden Ländern als musikalisches Symbol betont werden.
Zwei Jahre nach der Gründung des ersten Chores sollte Schmid als Leiter beim Sängerkreis in Ottobrunn übergangsweise aushelfen. Daraus sind nun über 40 Jahren geworden. Am Anfang vielleicht etwas verbissen, hat sich der Ernst längst gewandelt in Freude und die Lust am freien Singen ohne Noten. Aber unter Zuhilfenahme des Zwerchfells, das beim herzhaften Lachen des Öfteren in Aktion tritt. Vielleicht gibt es noch eine extra Einlage nach der Verleihung des Ehrenzeichens am Gärtnerplatz. Ein „Hoch soll er leben“ außerhalb des Turnus, das hat er sich verdient.