Vom Mittzwanziger bis Ü70: Blues-Festival begeistert hunderte Fans

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Die Leif de Leeuw Band war Teil des Blues-Festivals in Wolfratshausen © Camehn

Das beliebte Musikfestival brachte ein generationenübergreifendes Publikum in den Keller am Hans-Urmiller-Ring und zeigte die Vielfalt des Genres.

So richtig weg war der alte Sack ja nie, weshalb er auch weniger alter Sack denn ewiger Jungsspund ist. Der Blues war/ist unter anderm und in Varianten Inspiration und Startrampe (Rolling Stones), irgendwann Modeerscheinung (Gary Moore) oder stille Leidenschaft (Chris Rea). Ein Wiedergänger und Faszinosum, Grundlage und Besinnung – ohne Blues kein Pop. Wobei es ja den Blues garnicht (mehr) gibt, es sei denn als Befindlichkeitszustand.

Blues übergreift Generationen: Das zeigt sich beim Konzert

Vielmehr ist er vielfältig, hat jede Menge Spielarten hervorgebracht, auf Basis der ewig gültigen Pentatonik: Chicago Blues, Delta Blues, Blues Rock. Er grummelt und rumpelt und rockt zeitlos und frisch im Untergrund. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu: Weshalb es nur konsequent scheint, dass auch das diesjährige Blues-Festival am vergangenen Wochenende im Keller einer einstigen Discothek stattfand. Einer Veranstaltung, die immer wieder versucht, der Artenvielfalt dieses Genres gerecht zu werden. Fast hämisch höhnte es da bis auf den Vorplatz am Hans-Urmiller-Ring hoch, hört her, ich bin immer noch da, ein generationenübergreifendes Projekt, das hier in zweiter Auflage stattfindet. Da taucht dann auch schon mal der Bürgermeister Klaus Heilinglechner auf, Lederjacke- und Sneaker-bewehrt, lächelnd, für ein paar Stunden amtsentrückt, so scheint es.

Blues-Festival begeistert 300 Fans in Wolfratshausen

„Ich mag die Stimmung“, sagt Manfred Jakob, wenn man ihn nach seiner Beziehung zum Blues fragt. Der 68-Jährige ist aus Wolfratshausen, er wird an beiden Abenden hier sein. Jakob ist kein Purist, seine Musiksammlung ist umfangreich: Zappa, Crosby, Stills, Nash & Young, Deep Purple. Er gehört zu den Menschen, mit denen man sich einen Abend lang über Blues und Artverwandtes unterhalten kann. Allerdings: „Für meine Frau ist das hier nichts“, sagt er. Die höre eher mal Jazz. Jetzt lauscht er gerade der Formation Soul Thrivers um die Sängerin Dvora Davis zu, die „Neo-Blues“ machen, Gospel, Soul und Country-Elemente einbauen. Schlagzeug, Gitarre, Bass: Ein flirrender Groove, Midtempo zumeist. Die große Stimme der eher kleinen Sängerin hat es Jakob angetan: „Darum geht man auf solche Konzerte!“, freut er sich.

Veranstalter Andreas Kutter ist ebenfalls zufrieden. Gut 300 Konzertbesucher hat er gezählt, „geringfügig weniger als im vergangenen Jahr“. Kutter (41) freut sich besonders über das sehr gemischte Publikum, „vom Mittzwanziger bis 70-Jährigen ist immer alles dabei“. Von wegen Greisen-Groove: Blues verbindet. Auf jeden Fall soll das Blues Festival 2026 wieder stattfinden, sagt Kutter.

Gekommen, um zu bleiben. Auf der Bühne macht jetzt gerade das Sextett Leif de Leeuw Band ordentlich Druck, mit zwei Schlagzeugern und Gitarristen und Keyboard. Ein fulminanter Southern Rock Act ist das, ein Haufen Mittdreißiger, die dem Blues eine ordentliche Frischzellenkur verpassen. Am Samstag werden dann Sebastian Schwarzenberger Band, T.G. Copperfiled & The Electric Band sowie die Andreas Diehlmann Band den Club rocken. Fazit: Der alte Sack, der keiner sein kann, ist weiter voll da.

Volker Camehn