Warngauer Leonhardifahrt trotzt Wind und Regen – Pfarrer ruft zu Mut und Haltung auf

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Warngau

Kommentare

Leonhardi kennt kein schlechtes Wetter: Fast 50 Gespanne und 66 Einzelreiter aus dem ganzen Oberland beteiligten sich an der Fahrt in Warngau. Der Gottesdienst fand diesmal aber in der Allerheiligen-Kirche statt. © Thomas Plettenberg

Trotz Kälte und Nässe kamen viele Besucher zur Leonhardifahrt nach Warngau. Pfarrer Doll rief in seiner Predigt dazu auf, schwierige Entscheidungen mutig anzugehen – ganz im Sinne des Heiligen Leonhard.

Warngau – Ein bisschen mehr Gottvertrauen seitens der Zuschauer, die sonst zu Tausenden zwischen Allerheiligen und Reitham stehen, hätte man der Wallfahrt zu Ehren des Heiligen Leonhard schon gewünscht. Wer Regen und Wind nicht scheute und sich gestern nach Warngau aufmachte, wurde belohnt: Zum Start des Zugs um 9.40 Uhr – traditionell unter Glockengeläut – war es trocken.

Böiger Wind hatte zwar die Wolken vertrieben, war aber auch der Grund dafür, dass Ablaufplan B des Organisationsteams griff: Statt den 1,7 Kilometer langen Festzug mit der großen Feldmesse im Norden der Kirche unter alten Bäumen enden zu lassen, absolvierten die Wallfahrer die Strecke zweimal. Pfarrer Gottfried Doll ließ zur Segnung flugs das Holzpodest von der Ostseite der Allerheiligen-Kirche an die Gabelung verlegen. Dort spendete er den 66 Reitern und ihren Pferden, den elf Kutschen, Landauern und Wagen mit Kirchenmodellen, den Zweier-Gespannen und den 38 jeweils von vier Rössern gezogenen Truhen- und Kastenwagen – voll besetzt mit Trachtlern, Blasmusik und Schützen – den Segen.

In einer Kutsche saß Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die sich von ihrem Kutschenunfall vor drei Jahren nicht davon abhalten ließ, wieder an der Warngauer Wallfahrt teilzunehmen. Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber und der Gemeinderat begrüßten außerdem die Bürgermeister Jens Zangenfeind (Hausham), Bernhard Schäfer (Valley), Leonhard Wöhr (Weyarn), Michael Falkenhahn (Otterfing), Gerhard Braunmiller (Miesbach) und Norbert Kerkel (Waakirchen).

Leonhardi Warngau Foto tp heftiger kalter Wind , Foto tp
Schneidend kalte Böen schreckten die Wallfahrer nicht. Notfalls wurde ein Schutzschirm gespannt. © Thomas Plettenberg

Überzieher schützen Hüte und Geschirr

Alle waren bei dem eisigen Wind warm angezogen, die Schalkfrauen hüllten sich in große samtene Tücher oder in Fuchs-Kragen. Duschhauben schützten Scheiblinge. Auch etliche der kunstvoll gearbeiteten Pferdegeschirre und ledernen Grummets waren mit Überziehern geschützt. Dem echten Leonhardiklang, einem Gemisch aus klingenden Glöckchen und Schellen, Wiehern und Schnauben der Rösser, knarzenden Ledersätteln und Holzrädern auf Asphalt, Blasmusik der zwei Kapellen, gemurmelten Gebeten und hin und wieder dem Schnalzen der Goaßln, tat das keinen Abbruch.

Der Leonhardi-Klang fehlte aber beim Gottesdienst, der aus Sicherheitsgründen in die Kirche verlegt worden war. Erst wenige Male seit Wiederbelebung der Warngauer Fahrt vor über 40 Jahren fand der Gottesdienst im Kircheninnenraum unter dem Altar mit der Statue des Heiligen Leonhard statt. Pfarrer Doll erläuterte kurz, wie sich aus der Raststätte mit Brunnen, wo Fuhrleute ihre Tiere tränkten und für eine sichere Reise beteten, eine Kirche entstand – zunächst zu Ehren aller Heiligen, später zu Ehren des Heiligen Leonhard.

Den Schutzheiligen all derer, die in Ketten liegen, zu befragen und ihm nachzufolgen, empfahl Pfarrer Doll immer dann, wenn es im Leben darum gehe, angesichts schwieriger Entscheidungen nicht in Schockstarre zu verfallen wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern zu kämpfen wie ein Löwe. Ob nun bei privaten Sorgen oder Krankheit: Immer, wenn sich die Frage „Löwe oder Kaninchen?“ stelle, sei der Heilige Leonhard ein guter Ratgeber, der in seinem Leben ebenfalls viele Hürden zu überwinden hatte.

Das gelte gerade auch in der Politik. „Anpacken, nicht wegducken. Löwe statt Kaninchen“, forderte Doll – nicht ohne Seitenhieb auf die politischen Vorgänge in den USA bat der Pfarrer inständig, den mutigen, vielleicht auch anstrengenderen Weg des politischen Diskurses zu gehen. „Laufen Sie nicht denen nach, die vermeintlich einfache Lösungen anbieten“, warnte er die Gläubigen. Er empfahl stattdessen, sich vom Heiligen Leonhard inspirieren zu lassen, der selbst politische Verantwortung übernommen habe. Und just in der Minute kam draußen die Sonne heraus.

Leonhardi Warngau Foto tp heftiger kalter Wind , Foto tp
Ungewöhnlicher Ablauf: Statt des Feldgottesdienstes absolvierten die Teilnehmer die Strecke zweimal. © Thomas Plettenberg