Bislang gibt es im Landkreis Miesbach noch keinen Vogelgrippefall. Geflügelhalter beobachten die Lage und wappnen sich.
Landkreis – Es sind Kraniche auf ihrem Herbstzug, die aktuell die Vogelgrippe in Deutschland verbreiten. Erste Fälle sind jetzt auch in Oberbayern entdeckt worden. Am vergangenen Mittwoch wurde das Virus bei einem Wildvogel im Landkreis Freising nachgewiesen. „Im Landkreis Miesbach gibt es derzeit weder Verdachtsfälle, noch bestätigte Nachweise der Vogelgrippe“, teilt Theresa Andrich, Pressesprecherin am Landratsamt, auf Nachfrage unserer Zeitung mit.
Die Hühner auf dem Betzinger-Hof in Warngau sind ausgewiesene Freilandhühner. „Sie haben Auslauf und dürfen auch raus“, sagt Maria Holzer. In den neu gebauten Stall passen bis zu 5900 Hühner, im umgebauten Stall am Hof haben 3900 Tiere Platz. In den Gebäuden befinden sich die Nester, wo die Hennen ihre Eier ablegen. Laut Holzer gibt es auch einen Wintergarten für die Hühner. Sie dort als Vorsichtsmaßnahme einzuschließen, kommt für die 33-Jährige aber nicht infrage. „Wenn ich sie einsperre, kann ich die Eier nicht mehr als Freilandeier verkaufen“, erklärt Holzer, die im Hofladen selbst hinter der Theke steht. Das sei nur mit entsprechenden Anordnungen durch Behörden möglich. Die aktuelle Nachrichtenlage verfolge sie, sagt die Warngauerin. „Aber wir brechen beim ersten Fall nicht gleich in Panik aus.“
6000 Hühner in Freiland- und Bodenhaltung
Auf dem Hof von Meinrad Bacher in Kleinhartpenning leben 6000 Hühner, in Freiland- und in Bodenhaltung. Für ihn sei die Vogelgrippe eigentlich ein ständiges Thema, sagt der 60-Jährige mit Blick auf die Hygienemaßnahmen im Stall, die man immer einhalten müsse. Dazu gehört beispielsweise auch das Führen eines Besucherbuchs, in das sich jeder, der den Hühnerstall betritt, eintragen müsse. Als man im Jahr 2009 im wenige Kilometer entfernten Sachsenkam im Nachbarlandkreis eine infizierte Ente fand, wurde eine Schutzzone errichtet, die auch seinen Betrieb einschloss. „Wir sind ausgerüstet“, meint Bacher. Er verfügt auch über einen großen, überdachten Wintergarten, in dem sich die Legehennen aufhalten können. Dieser sei „vogeldicht“, wie er sagt. Aber man wisse nie, was kommt. Müsste sein Bestand zum jetzigen Zeitpunkt gekeult werden, „wäre das praktisch der Ruin“, meint der Landwirt. Gerade in der nahenden Vorweihnachtszeit würden viele Eier gebraucht – fast so viele wie an Ostern.
Institut stuft Risiko als hoch ein
Das Friedrich-Löffler-Institut schätzt das Risiko eines Eintrags sowie der Aus- und Weiterverbreitung der Vogelgrippe in wildlebenden Wasservogelpopulationen, Geflügelhaltungen und zoologischen Beständen durch direkte oder indirekte Kontakte zu Wildvögeln aktuell als hoch ein. Das Miesbacher Landratsamt rät: „Zum Schutz von Haus- und Nutzgeflügel sind daher alle gesetzlich vorgeschriebenen Präventions- und Biosicherheitsmaßnahmen besonders sorgfältig einzuhalten.“