Statt Straßenlärm hört man jetzt Streit: In Tirol kämpft ein Würstchenstand-Betreiber gegen eine Lärmschutzwand, die sein Geschäft aus dem Blickfeld rückt.
Obsteig – Obsteig liegt etwa eine halbe Autostunde von der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck entfernt. An der Hauptverkehrsader des Örtchens errichteten die Behörden unlängst eine Lärmschutzwand. Während sich viele Anwohner über die Lärmschutzmaßnahmen freuen, ist ein Geschäftsinhaber anderer Meinung. Denn sein Würstchenstand „Wurscht und Durscht“ wird nun von einer neuen, drei Meter hohen Wand fast vollständig verdeckt, wie er der Tiroler Tageszeitung mitteilte. Der Unternehmer sieht dadurch seine Existenz bedroht.
Seit 13 Jahren betreibt der Geschäftsmann gemeinsam mit seiner Familie den Stand an der Mieminger Straße. Prinzipiell habe er nichts gegen die Wand, nur die letzten 26 Meter seien ihm ein Dorn im Auge, erzählte er der Zeitung. Dieser Abschnitt schütze nämlich nur sein Haus und eben den Bereich, in dem sich sein Geschäft befindet. Aber an einem solchen Schutz habe er „kein Interesse“, denn 80 Prozent seiner Kunden kämen über die Straße. Das Perfide: „Im Vorjahr war vor meinem Würstelstand noch keine Lärmschutzwand vorgesehen. Da wäre nur der ein Meter hohe Sockel vorgesehen gewesen“, betonte er gegenüber TT und beruft sich dabei auf Pläne des Landes Tirol.
Wand schluckt Kundschaft: Würstelstand-Besitzer in Tirol kämpft um Sichtbarkeit
Plötzlich aber seien hohe Schutzwandteile bei dem Baumaterial dabeigewesen, das habe ihn stutzig gemacht. Daraufhin habe er sich direkt an den Bürgermeister von Obersteig gewandt, um den Bau zu stoppen – ohne Erfolg. Inzwischen steht die Wand und ist für den Geschäftsbetreiber nicht nur ungewollter Lärm-, sondern auch Sichtschutz. Das Land Tirol verteidigt die Maßnahme: Wegen des Neubaus einer Unterführung musste demnach ein bestehender Erdwall abgetragen werden. Die Wand ersetze diesen nun. Man habe auf eine Begrünung geachtet und die Wand abgestuft gebaut, um Geräusche besser abzuleiten, hieß es.
Der Würstchenstand-Besitzer betonte bei der TT: „Mein Ziel ist es, dass die Mauer entweder komplett verschwindet, oder auf einen Meter zurückgebaut wird – was ja ausgemacht war.“ Deshalb schaltete er die Volksanwaltschaft ein. „Ich muss einfach alle Register ziehen.“ Einnahmen aus dem Tourismus machen in Tirol rund 15 Prozent des Bruttoregionalproduktes aus, wie Daten des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen. Kleinbetriebe wie Imbissstände profitieren massiv von dem Durchreiseverkehr.
Entsprechend bekommt der Geschäftsmann Unterstützung von der Wirtschaftskammer Imst. „Wenn der Bürgermeister sagt, dass man im Sinne von Ortsbild und Lebensqualität am meisten herausgeholt hat, dann muss ich ergänzen: aber nicht für die Wirtschaft“, so Nico Tilg, Geschäftsführer der Imster Wirtschaftskammer. Auch in Bayern sorgte zuletzt eine zu hohe Wand für Streit. (Quelle: Tiroler Tageszeitung, WIFO) (bme)