Felix Neureuther sieht in Olympia die Chance für neue Leistungsbereitschaft. Deutschland brauche wieder Ziele und Hoffnung.
Frankfurt/München – Felix Neureuther lässt in seinem Kampf für eine deutsche Olympia-Bewerbung keine Zweifel aufkommen: Der ehemalige Skirennläufer sieht in den Olympischen Spielen weit mehr als nur ein Sportereignis. In einem exklusiven Interview von Ippen.Media im Rahmen der IPO Night der Weimer Media Group und der Deutschen Börse zeigt sich der 41-Jährige überzeugt, dass Deutschland durch eine erfolgreiche Bewerbung eine neue Mentalität entwickeln könnte.
„Weil es eine riesengroße Chance ist für die nächste Generation, dass wir ihnen ein Ziel schaffen in Zukunft“, erklärt Neureuther seine Motivation für das Olympia-Engagement. Der gebürtige Münchner verspricht sich von den Spielen einen gesellschaftlichen Wandel: „Dass wir mal wieder in das Land so eine richtige Leistungsbereitschaft reinbekommen.“
Olympia in Deutschland: Felix Neureuther attackiert Kritiker scharf
Besonders deutlich wird Neureuther gegenüber den Skeptikern einer deutschen Olympia-Bewerbung. Die häufig vorgebrachten Argumente zu hohen Kosten und mangelnder Nachhaltigkeit lässt er nicht gelten. „Ohne Investition keine Rendite“, kontert der Ex-Weltcup-Fahrer energisch. Deutschland müsse endlich wieder investieren und ein Zeichen setzen, anstatt permanent zu verhindern und zu jammern.
„Diese Denke immer, dass alles negativ ist, wir sind doch nicht negative Menschen“, kritisiert Neureuther die seiner Ansicht nach destruktive Haltung vieler Deutscher. Er fordert ein durchdachtes Konzept, das zeigt, dass Sportstätten nach den Spielen flächendeckend für den Breitensport genutzt werden. Die logistischen Voraussetzungen dafür seien in Deutschland vorhanden.
Beim Standort zeigt sich Neureuther überraschend flexibel. „Der Standort ist relativ egal, ehrlich gesagt“, betont er im Interview. Ob München, Berlin, Hamburg oder die Rhein-Ruhr-Region – entscheidend sei, dass Deutschland als Ganzes wieder olympische Spiele bekomme. „Wir als Deutschland, wir können uns mal wieder positiv nach außen darstellen.“
Deutliche Kritik übt Neureuther am Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Wir brauchen einen starken deutsch-olympischen Sportbund, der politisch so viel Einfluss hat, dass sie bestimmen können, wo Olympische Spiele stattfinden“, fordert er. Die derzeitige Konkurrenz zwischen den deutschen Bewerberstädten sieht er als kontraproduktiv an.
Der Ex-Skistar beklagt, dass bereits im Vorfeld Städte gegeneinander arbeiten, anstatt gemeinsam für Deutschland zu kämpfen. „Wir sind ein Land und da muss man doch eigentlich zusammenhalten“, appelliert Neureuther an die Verantwortlichen. Regionale Eitelkeiten dürften nicht über dem großen Ganzen stehen.
Für die Zukunft der Olympischen Spiele sieht Neureuther, der einen besonderen Olympia-Moment mit seinen Eltern teilte, trotz aller Herausforderungen große Chancen. Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz würden Live-Sport und echte Emotionen noch wertvoller machen. „Das kannst du durch keine KI ersetzen“, ist er überzeugt. Voraussetzung sei jedoch ein ganzheitliches Konzept, das Kultur, Kunst und Architektur einbeziehe.
Die Olympia-Bewerbung bleibt für Neureuther eine Herzensangelegenheit – unabhängig vom Austragungsort. Deutschland könne durch die Spiele wieder Hoffnung schöpfen und sich positiv präsentieren. Ob München, wo am Sonntag (26. Oktober) ein Bürger-Entscheid stattfindet, oder eine andere deutsche Stadt den Zuschlag erhält, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. (ck)