Im Interview erklärt Mücke, welche Bauprojekte, Finanzstrategien und Herausforderungen Oberding in den kommenden Jahren bewegen.
Er macht‘s noch einmal: Bernhard Mücke (CSU) kandidiert bei der Kommunalwahl am 8. März erneut für das Amt des Oberdinger Bürgermeisters. Seit über elf Jahren ist er Rathauschef. Im Interview mit der Heimatzeitung spricht der Aufkirchener über seine Motivation und zieht Bilanz seiner bisherigen Amtszeit.
Herr Mücke, Sie treten erneut an. Was ist Ihre Hauptmotivation?
Ich werde keinen großen Rückblick halten, erledigte Arbeit muss man nicht aufzählen. Entscheidend ist, was jetzt ansteht: In Oberding haben wir sehr viele Aufgaben – Baugebiete in Aufkirchen, Schwaig und Notzing, möglicher Geschosswohnungsbau in Niederding, zwei Feuerwehrhäuser in Schwaig und danach Niederding, ein Radverkehrskonzept mit guter Anbindung an den S-Bahnhof, bessere Radwege Richtung Flughafen, der Flughafenexpress ÜFEX und die Inbetriebnahme unseres S-Bahnhofs samt Parken, ein Ärztehaus sowie die Erweiterung beziehungsweise Erneuerung des Seniorenzentrums. Außerdem planen wir ein neues Rathaus. Das schafft ein Bürgermeister nicht allein – dafür braucht es Verwaltung und Gemeinderat.
Wenn Sie nach zwei Amtsperioden Bilanz ziehen: Was ist gelungen, wo hakt es?
Gelungen sind unter anderem die Feuerwehrhäuser in Aufkirchen und Notzing, der Kindergarten, das Pflegeheim und das neue Schulzentrum mit Dreifachsporthalle und Tiefgarage. Mehrere Baugebiete sind auf dem Weg. Unzufrieden bin ich mit langen Verfahren, zum Beispiel in Niederding und Aufkirchen. Der als Beschleuniger gedachte Paragraf 13b des Baugesetzbuchs wurde nach Klagen wieder verworfen – und wir mussten nochmal neu planen. Beim Ausbau der Nahwärme treten wir wegen des nötigen Pufferspeichers/Hochbehälters auf der Stelle. Vieles hängt an wechselnden Vorgaben, nicht an der Verwaltung.
Wie hat Oberding die Corona-Jahre finanziell überstanden?
Wir sind bei der Gewerbesteuer zeitweise von 32 bis 34 Millionen Euro auf 4,5 Millionen gefallen. Unsere Sparsamkeit hat aber geholfen. Vereine konnten weiter stark unterstützt werden, die Kindergartengebühren bleiben niedrig. Strategisch setzen wir auf breitere Gewerbeansiedlung, um unabhängiger vom Flughafen zu sein. Ziel ist, wieder deutlich über die Marke von 20 Millionen Euro zu kommen – das ist aber eine langfristige Entwicklung.
Der Flughafen bleibt eine wichtige Einnahmequelle. Wie stehen Sie zur dritten Startbahn?
Oberding ist dagegen. Eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss, wie sie unter anderem vom Bund Naturschutz angestrebt wurde, habe ich jedoch für symbolisch und rechtlich wenig aussichtsreich gehalten. Das oberste bayerische Verwaltungsgericht hat die Klagen im Juli dann auch abgewiesen. Wenn man die Startbahn verhindern will, braucht es andere Wege.
Bei den Kommunalwahlen tritt erstmals der neue Ortsverband der Grünen an. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ein?
Kommunalpolitik ist Sachpolitik. Parteipolitik hat im Gemeinderat nichts verloren. Wenn grüne Gemeinderäte einziehen, rechne ich fest mit deren konstruktiver Mitarbeit – wie bei allen anderen.
Im Gemeinderat gibt es auffallend viele einstimmige Beschlüsse. Woran liegt das?
Wir bereiten Themen gründlich vor, auch in Sondersitzungen und Klausuren. Einstimmigkeit heißt nicht, dass es keine unterschiedlichen Ansichten gibt – aber wir arbeiten lösungsorientiert.
Mit Spannung erwarten viele den S-Bahn-Ringschluss und als erste Teiletappe den Bahnhof Schwaigerloh: Wie ist der aktuelle Stand?
Es wird gebaut, aber zäh. Knackpunkt ist ein nie in Betrieb genommener Tunnel zwischen den Terminals des Flughafens. Neue EU-Sicherheitsvorgaben könnten dort eine Sanierung erfordern. Im schlechtesten Fall dauert das noch bis 2028, vorher fährt dann kein Zug nach Schwaigerloh. Und Prognosen zum Ringschluss bis nach Erding sind aus meiner Sicht unmöglich.
Wie organisieren Sie Ihre vielen Funktionen: Hauptamtlicher Bürgermeister, Kreisrat, mehrere Ehrenämter und Ihren Schreinereibetrieb?
Mein Betrieb ist gut aufgestellt, die Aufgaben sind klar verteilt, Entscheidungen werden vorbereitet. In den Ehrenämtern habe ich sehr gute Teams. Man muss priorisieren. Mir ist die sachliche Arbeit immer wichtiger als große Reden.
Blicken Sie beim Bürgermeisteramt über 2032 hinaus?
Mit 63 trete ich an, die neue Amtszeit ginge bis zu meinem 69. Lebensjahr. Die laufenden Aufgaben möchte ich begleiten – danach ist voraussichtlich Schluss.