Während bundesweit immer mehr kommunale Hallenbäder wegen zu hoher Betriebskosten oder maroder Bausubstanz schließen müssen, kann sich der Landkreis Landsberg als Betreiber des Lechtalbades über steigende Besucherzahlen und damit höhere Erlöse beziehungsweise geringere Defizite freuen.
Landkreis Landsberg - 391.536 Besucher im Hallen- und Freibadbereich sowie der Sauna sorgten im vergangenen Jahr für einen Gesamtertrag von 3,4 Millionen Euro. Damit wurde ein Kostendeckungsgrad von 75,33 Prozent der Gesamtaufwendungen in Höhe von 5,3 Millionen Euro erreicht. Diese und mehr Zahlen gab es für die Kreistagsmitglieder des Naherholungs- und Bäderausschusses bei einer Sitzung in neuen Liccarium-Seminarraum Kauferinger Lechtalbad, wo sich früher die Pizzeria befand.
Laut Bernhard Lachner, Abteilungsleiter für die Kreisbäder im Landratsamt, seien die Rekordzahlen auf die Sauna mit allein 103.454 Gästen und einem Plus von 616.035 Euro zurückzuführen. Die positive Gesamtbilanz habe aber auch ihre Schattenseiten. Mit der Auslastung von normalen Gästen, Schulen und Vereinen stoße das Lechtalbad längst an seine Grenzen. Deshalb habe man erneut Stefan Studer vom Planungsbüro Kannewischer eingeladen. Er hatte bereits 2021 und 2022 eine Studie präsentiert, wie man das Bad sanieren, erweitern und damit den gestiegenen Ansprüchen anpassen kann.
Dabei wurde klar, dass das Hallenbad mit seinen drei Becken und den geringen Umgangsflächen unweigerlich an seine Kapazitätsgrenzen stößt und für keine seiner Zielgruppen – Öffentlichkeit, Vereine und Schulen – eine angenehme Aufenthaltsqualität bieten kann. Durch den Anbau eines vierten Beckens würden die unterschiedlichen Gruppen entzerrt und man könnte primär für Schulen und Schwimmkurse zusätzliche Kapazitäten schaffen. Die „akustische Trennung“ sorge auch für einen angenehmeren Aufenthalt. Wobei Studer die Kosten der Erweiterung samt Anbau auf rund 28 Millionen Euro einschätzte. Allein die Sanierung des Bades selbst würde circa zwölf Millionen Euro kosten.
Dabei wurde im Ausschuss auf die „Sportmilliarde“ verwiesen, die der Bund aus dem Sondervermögen ,Infrastruktur und Klimaneutralität‘ für die Modernisierung und Sanierung kommunaler Sportstätten bereitstellt. Damit wolle man den Investitionsstau bei Sportanlagen wie Hallenbädern auflösen. Die Kreisräte sprachen sich dafür aus, schnellstens ein konkretes Konzept mit genauen Zahlen zu erstellen, um in den Genuss der Fördermittel zu kommen.
Landrat Thomas Eichinger (CSU) schloss sich dem an, um das einzige Hallenbad im Landkreis auch für die nächste Generation zu erhalten. Kreisrat Markus Wasserle (SPD) riet zu Augenmaß und einem stufenweisen Ausbau – zunächst für das Schulschwimmen. Die bislang vorgestellten Erweiterungspläne beträfen ausschließlich den defizitären Bereich. Die Sauna aber sei laut Dr. Peter Friedl (Grüne) die „Cashcow“. Da sie oft „proppenvoll“ sei, sollte man hier investieren und an eine Erweiterung denken.
Vor dem „großen Wurf“ indes warnte Kurt Wacker (Bayernpartei), da der Landkreis genug in Schulen und den Ausbau des Klinikums investieren müsse. Johann Drexl (CSU) sprach sich dafür aus, die Erweiterungspläne jetzt anzupacken, da man den Bürgern etwas bieten müsse. Letztendlich wünschten sich die Kreisräte vom Planungsbüro Kannewischer verschiedene Varianten von Machbarkeitsstudien samt genauer Kosten unter Einbeziehung des Saunabereichs. Diese sollten dann dem Kreistag vorgestellt werden.
Erbpacht statt Sauna in Greifenberg?
Auf dem Programm der Ausschusssitzung stand auch die künftige Nutzung des ehemaligen Gastronomiegebäudes beim Sommerbad Greifenberg. Wie Ulrich Köbberling, Sachgebietsleiter ,Kreiseigender Hochbau und Gebäudemanagement‘, erläuterte, stehen drei Varianten für das leerstehende Gebäude zur Auswahl: Abbruch, Hangsicherung und Freianlagegestaltung für geschätzt gesamt 5,3 Millionen Euro; Sanierung für ca. 11,1 Millionen Euro und Verpachtung als Gastronomie mit Fremdenzimmern, wobei die jährliche Pacht auf nur 28.800 Euro beziffert wurde; Erweiterung des Sommerbades um einen ganzjährig geöffneten Saunabetrieb für rund 23,3 Millionen Euro. Angesichts dieses Kostenszenarios will der Kreisausschuss dem Kreistag das Modell Erbpacht mit einen Investor vorschlagen.