Spektakulärer Eiszeit-Fund am Oberrhein: Als Flusspferde mit Mammuts um die Wette schwammen

  1. Startseite
  2. Wissen

Kommentare

Forscher haben eine verblüffende Entdeckung gemacht: Flusspferde lebten während der Eiszeit vor 47.000 Jahren im Rhein.

Potsdam — Bislang ging man davon aus, dass gewöhnliche Flusspferde in Mitteleuropa vor rund 115.000 Jahren mit dem Ende der letzten Warmzeit ausstarben.

Flusspferde lebten während der Eiszeit am Oberrhein. (Symbolbild) © Imago/Edwin Remsberg

Ein internationales Forscherteam um die Universität Potsdam und die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim hat nun nachgewiesen: Die wärmeliebenden Dickhäuter überlebten in Deutschland deutlich länger als bisher angenommen. Demnach lebten Flusspferde noch vor etwa 47.000 bis 31.000 Jahren im Oberrheingraben im Südwesten Deutschlands – also mitten während der letzten Eiszeit. Das heißt zur gleichen Zeit wie Mammuts. Zu spektakulären Funden kommt es in Europa immer wieder. Der schmelzende Permafrostboden hat jetzt erneut Fossilien freigelegt.

Sensationsfund am Oberrhein: Flusspferde überlebten Eiszeit in einem warmen Refugium

Das Forschungsteam untersuchte dazu zahlreiche Flusspferdfunde aus der Sammlung Reis, die sich an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim befinden. Sie nutzten dazu paläogenetische und Radiokarbon-Analysen, sowie DNA-Sequenzierung. „Die Ergebnisse zeigen, dass Flusspferde am Ende der letzten Warmzeit nicht aus Mitteleuropa verschwunden sind, wie zuvor angenommen wurde“, fasst Studienleiter Dr. Patrick Arnold in einer Pressemitteilung der Uni Potsdam zusammen. Das ist mehr als erstaunlich, denn Flusspferde sind wärmeliebende Tiere, die vor allem an Gewässern in warmen Klimazonen wie Savannen leben.

Die DNA-Sequenzierung ergab zudem: Die europäischen Eiszeit-Flusspferde gehörten derselben Art an wie ihre heutigen afrikanischen Verwandten. Allerdings war die Population am Oberrhein klein und isoliert. „Das zeigt, dass die Flusspferde in der Lage waren, sich gut an die entsprechenden Temperaturen und Umweltverhältnisse im kaltzeitlichen Oberrheingraben anzupassen“, so Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen. Die Ergebnisse widersprechen bisherigen Annahmen.

Flusspferde am Oberrhein: Sensationsfund gibt Aufschluss über Eiszeit

„Die aktuelle Studie liefert wichtige neue Erkenntnisse, die eindrucksvoll belegen, dass die Eiszeit nicht überall gleich war, sondern dass es lokale Besonderheiten gab“, erklärt Rosendahl. Die Forschungsergebnisse sind Teil des von der Klaus Tschira Stiftung geförderten Projekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“. Die Entdeckung wirft nun auch neue Fragen auf: „Es wäre nun interessant und wichtig, weitere wärmeliebende Tierarten, die bisher immer allgemein der letzten Warmzeit zugeschrieben wurden, genauer zu untersuchen.“ (Quellen: Klaus Tschira Stiftung, Universität Potsdam) (jus)