K.o. in der Schlossberghalle

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Das gab es in Starnbergs Schlossberghalle noch nie: eine professionelle Boxarena. © Dagmar Rutt

Für das erste „Fight Event Starnberg“ wurde die Schlossberghalle am Samstag zu einer Arena für Box- und MMA-Kämpfe. Acht spannende Duelle, begeisterte Zuschauer und emotionale Momente machten den Abend zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Es ist 16.30 Uhr, als in der Starnberger Schlossberghalle die Lichter gedimmt werden. Anders als sonst, blickt das facettenreiche Publikum an diesem Samstag nicht auf die Bühne, sondern gespannt auf die Mitte des Saals. Auf den Boxring, der von vier Scheinwerfern in ein weißes Licht getaucht wird. Als dann Mostafa Natawan und Michael Haupert in den Ring steigen, wird es still. Es war das erste Mal, dass eine solche Veranstaltung in Starnberg stattfand – der „Fight Event Starnberg“. Dafür hatte Veranstalter Andreas Ramsauer die Schlossberghalle am Samstag von 16 bis 20 Uhr in ein Boxstudio verwandelt.

Der 44-Jährige hat bereits rund 30 Kampfsportevents organisiert – doch ein Boxabend in einer Stadt, die sonst eher für Golf und Segeln steht, war auch für ihn etwas Besonderes. In acht Kämpfen flogen am Samstag die Fäuste – sowohl im Boxen, als auch im MMA (Mixed Martial Arts). Unter den Teilnehmern befand sich nicht nur der zweifache bayerische Meister, Fabian Gruber (Grappling & Fight Academy Gilching), sondern auch Lokalmatador Glenn Bödecker aus der Kampfsportschule Kosaric in Starnberg (wir berichteten).

Mostafa Natawan begrüßte das Publikum. Der 32-Jährige stand in Haferlschuhen, Lederhose und Janker als Moderator im Boxring. Neben ihm Schiedsrichter Michael Haupert, der die Regeln erklärte. Drei Runden à drei Minuten: Beim Boxen wird ausschließlich mit den Fäusten oberhalb der Gürtellinie gekämpft, beim MMA sind auch Tritte und der Einsatz von Knie und Ellbogen erlaubt.

Im ersten Duell (Boxen bis 65 Kilo) standen sich Onur Can (MMA Mundial Ingolstadt) und Gheorge Ciochia (Hermanos Boxen Garmisch) gegenüber– mit Handschuhen und Helm. Im Gegensatz zum Profiboxen gilt bei Amateurveranstaltungen eine Helmpflicht. Das Match war schnell vorbei. „Was für ein starker, erster, heißer Kampf“, moderierte Natawan. „Gewonnen hat mit einem eindeutigen Punktesieg die rote Ecke: Onur Can“.

Beim Boxen bis 70 Kilo machten Alparslan Özgisi (Seiwasser Bad Tölz) und Maxim Tabirta (Top Team Rosenheim) den Anfang. In kurzen Pausen wurden die Boxer gecoacht, bekamen Wasser oder auch Massagen. Dann läutete die Glocke erneut. „Raus aus der Ecke“ oder „Deckung“, waren aus dem Publikum zu hören. Um 17.24 Uhr war der zweite Kampf vorbei: Punktesieg für Maxim Tabirta.

Es folgte der erste MMA-Kampf bis 66 Kilo: Bruno Lux (Seiwasser Bad Tölz) gegen Radu Eduard (Bavarian MMA Center). Durch einen „Aufgabegriff“ gewann Radu Eduard. „Es gibt zweierlei Aufgabegriffe: Gelenkhebel und Würgegriffe“, erklärte Haupert. Befindet sich einer der Teilnehmer in solch einem höchst unangenehmen Griff, kann er durch dreimaliges Klopfen auf den Boden das Match beenden. Zur Sicherheit stand Haupert im Ring, er beobachtete jeden Kampf haargenau, lagen die Teilnehmer auf dem Boden, kniete er daneben. Der 39-Jährige betreibt seit 18 Jahren selbst professionell MMA, seit zehn Jahren ist er Schiedsrichter im Kampfsport.

Die Glocke läutete, der vierte Kampf: MMA bis 65 Kilogramm. Thomas Bunge (Top Team Rosenheim) trat gegen Mustafa Ahmad (Munich MMA) an. Nach zwei Minuten war das Match vorbei. Ahmad gewann durch einen „Aufgabegriff“, ein Gelenkhebel am Ellbogen, Bunge ging k.o.

In der Pause zog Organisator Andreas Ramsauer eine Zwischenbilanz: „Die Kämpfe heute sind sehr ausgeglichen, wir scheinen gute Matches gefunden zu haben. Ich bin positiv gestimmt, dass wir das öfter machen“.

Boxkämpfe in der Schlossberghalle am 18.10.25. Glenn Bödeker (rot) gegen Sedar Dag. Foto: Dagmar Rutt
Im Ring, mit Helm und Handschuhen: Lokalmatator Glenn Bödeker (l.) und Serdar Dag. © Dagmar Rutt

Im Boxen bis 65 Kilogramm gewann Timothy Tuschen (Top Team Rosenheim) gegen Eliot Iika (Boxschule Murnau). Danach folgte der letzte MMA-Kampf bis 66 Kilo. Mazllom Saiti (Seiwasser Bad Tölz) bezwang Philip Sean Clynch (TSV Milbertshofen).

Dann stieg der zweifache Bayerische Meister, Fabian Gruber, in den Ring. Er boxte gegen Oleg Riabkov (MG Sports Weingarten) in der Gewichtsklasse bis 72 Kilo. Die beiden lieferten sich einen spannenden Kampf. Am Ende gewann Gruber knapp. Ein Schiedsrichter hatte sogar für Unentschieden gestimmt.

Um 19.40 Uhr waren schließlich Glenn Bödecker und Serdar Dag (MMA Erding) für ihren Boxkampf (bis 90 Kilo) an der Reihe. Nach einer ruhigen ersten Runde flogen die Fäuste. „Los Glenn! Du machst das“, war aus der Menge zu hören. Bei jedem Treffer ging ein Raunen durch die Halle.

Es war erst der zweite Kampf für den 19-jährigen Bödecker. „Ich mache nichts lapidar, ich werde gewinnen“, hatte Bödecker in einem Interview vorher gesagt. Die letzten zehn Sekunden liefen, der Saal tobte. Dann läutete die Glocke. Natawan stieg in den Ring, Haupert nahm Bödecker und Dag an die Hand. „Wir haben einen sehr, sehr starken Kampf gesehen, der durch einen eindeutigen Punktesieg entschieden wurde – von Glenn Bödecker“.

Bödecker riss seine Faust nach oben, Trainer Denis Kosaric umarmte seinen Schüler. „Ich bin megastolz auf ihn. Das war Wille und Herz, das kann man nicht antrainieren“, erzählte Kosaric nach dem Kampf. Bödecker saß neben ihm: „Ich checke das grad noch nicht so ganz. Ich habe das Gefühl so oft visualisiert. Als ich meinen ersten Kampf verloren habe, ist die Welt für mich untergegangen. Heute hat sie angefangen“. Etwas weiter weg saß Serdar Dag mit Trainer Manuel Unverricht. „Ich bin nicht hergekommen, um zu gewinnen. Ich will über meine Grenzen hinauswachsen“, sagte der 21-Jährige. Früher hatte er mit mentalen Problemen und Übergewicht zu kämpfen, das Boxen habe ihm herausgeholfen. Trotz der Niederlage war er guter Dinge. Die Beiden umarmten sich zum Abschied. „Danke für alles“, sagte Bödecker. „Hau rein“, entgegnete Dag. Von der Rivalität im Ring fehlte jede Spur.

Pia Maurer