Sozialbeirat fordert Maßnahmen gegen Wohnungsknappheit im Landkreis

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Kommentare

Auch im Landkreis Miesbach werden viel zu wenige bezahlbare Wohnungen gebaut (Symbolfoto). © Jan Woitas

Wohnraum im Landkreis Miesbach ist knapp – und teuer. Welche Hebel die örtliche Politik hat, darüber diskutierte jetzt der Sozialbeirat. Geplant ist nun eine Art Wohnraumkonferenz.

Landkreis – „Ohne gezielte Maßnahmen, insbesondere im sozialen Wohnungsbau, wird sich die Wohnraumknappheit im Landkreis weiter verschärfen“, berichtete Michael Stacheter von der Regionalentwicklung Oberland (REO) und bezog sich dabei auf entsprechende Ergebnisse einer 2024 veröffentlichten Studie des Pestel-Instituts (wir berichteten). Bauen allein freilich reiche nicht, wie der Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Kreisentwicklung Miesbacher Land, Michael Pelzer, ergänzte. „Es braucht ein Bündel von Maßnahmen.“ Die könnten von einer Bodenbevorratungspolitik der Kommunen über Quartiersmanager bis hin zu einer Leerstandsanalyse reichen. Von „neuen mutigen Wegen und einer engen Zusammenarbeit aller Akteure“ sprach Stacheter.

Insbesondere dem Quartiersmanagement maßen die Mitglieder des Sozialbeirats große Bedeutung bei. „Ganz wichtig“, meinte die Gmunder Seniorenbeauftragte, CSU-Kreisrätin Martina Ettstaller. Die Quartiersmanager leisteten, wie auch die Weyarner Seniorenbeauftragte Betty Mehrer berichtete, wichtige Vernetzungs-, Beratungs- und Aufklärungsarbeit. In Weyarn sei es auf diese Weise gelungen, dass acht Senioren ihre viel zu großen Häuser aufgegeben haben und in altersgerechte Wohnungen am Klosteranger gezogen sind.

„Quartiersmanagement ist ein Modell, das funktioniert“, bestätigte Astrid Achterberg von der Fachstelle für Soziales und Senioren am Landratsamt. Die Vernetzung, so Caritas-Kreisgeschäftsführer Florian Rausch, trage letztlich auch zu einem gut funktionierenden sozialen Gefüge bei, das die Wohlfahrtsverbände entlastet und damit an anderer Stelle Kosten spart.

Lockerungen bei den Vorschriften mahnte FWG-Kreisrätin und Landwirtin Marlene Hupfauer an und nannte als Beispiel Ferienwohnungen im Außenbereich. Gerade zum Schuljahreswechsel gebe es oft Anfragen von jungen Lehrern, die erst kurzfristig ihren Einsatzort erfahren. Derartige Unterkünfte scheiden dann aus, weil die maximale Nutzungsdauer derzeit auf wenige Wochen festgeschrieben ist. Die Holzkirchner Behindertenbeauftragte Barbara Sokat wiederum forderte eine Abkehr von den strengen Gestaltungssatzungen, die Gauben und Außentreppen verbieten: „Wir können uns den Luxus, so zu bauen, nicht mehr leisten.“

Einen „tiefgreifenden Kulturwandel“ wünschte sich der Holzkirchner Diakon Klaus Mrosczok. Jeder lebe sein maximales Eigenwohl aus, Grundbesitz werde zu Preisen verkauft, die nicht mehr vernünftig seien. „Wenn wir eine Struktur hätten, die dem Gemeinwohl eine hörbare Stimme verschafft, können wir weiterkommen“, sagte er. Landrat Olaf von Löwis (CSU) stimmte ihm zu und sprach von „wachsendem Egoismus“ in der Gesellschaft. Unabhängig von dieser gedanklichen Stellschraube gibt es aber ganz praktische Bemühungen, um den Wohnungsbau voranzubringen. „Der Druck aller kommunalen Ebenen auf den Freistaat ist inzwischen so groß, dass das Kommunale Wohnraumförderungsprogramm hoffentlich wieder aufgenommen wird“, berichtete Löwis.

Bei der Diskussion im Sozialbeirat soll es nicht bleiben. Achterberg schlug eine Art Wohnraumkonferenz vor, um das Thema auf die nächste Ebene zu heben. Damit erreiche man auch diejenigen Gemeinden, die sich bislang noch nicht mit der Thematik beschäftigt haben. Das regelmäßig stattfindende Kommunalforum der REO könnte sich laut Löwis als passender Rahmen erweisen. Wichtig jedenfalls sei es, dass es nicht bei einer Konferenz bleibt. „Wir müssen sehen“, so LAG-Vorsitzender Pelzer, „dass es danach auch weitergeht.“