Simply Red in Leipzig: Schon vor dem Konzert skandieren Fans „Zugabe! Zugabe!“

Am Schluss lassen sie sich von den 7000 Fans feiern. Erschöpft, verschwitzt und sichtlich zufrieden, stehen Mick Hucknall und seine Leute oben auf der Bühne, die in blutrotes Licht getaucht ist, und verneigen sich.

Auf der Leinwand flimmert der Name ihrer Band. Eine Kultband, die die Leipziger „Quarterback Immobilien Arena“ gut zwei Stunden lang in einen brodelnden Tanzschuppen verwandelt und eine brillante Performance abgeliefert hat: Simply Red.

Wer je das Vergnügen hatte, die Briten schon bei früheren Konzerten zu erleben, etwa 2010 auf ihrer Tour „Farewell – The Final Show“, der muss, halb staunend, halb bewundernd, zugeben: Hucknall hat es immer noch drauf. 

Simply Red auf Deutschland-Tour: Soul-Pop vom Feinsten

Mit 65, also fast im Ruhestandsalter, bedient er das Publikum mit bester Soul-Pop-Qualität. Seine Stimme kraftvoll und stark wie eh und je, seine Bewegungen mitreißend, seine Laune prächtig, seine Art („Guten Abend“) kumpelhaft.

Hucknall sagte einmal in einem Interview mit der BBC, er genieße es, das Leben anderer Menschen mit seiner Musik zu bereichern. Genau das gelingt ihm in Leipzig. 

Die Fans mittleren bis gehobenen Alters, von denen manche 250 Euro oder mehr für ein Ticket bezahlt haben, wirken von Beginn an beseelt. Für viele scheint das Konzert so etwas wie eine lang herbeigesehnte Reise in die Vergangenheit zu sein. Eine Reise in die eigene Jugend.

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Simply Red um ihren Frontmann Mick Hucknall begeisterten in Leipzig 7000 Fans Göran Schattauer

Schon mit dem ersten, eher ruhigen und lässigen Song „Sad Old Red“ holt Mick Hucknall seine Fans ab, beim dritten „Money’s Too Tight (To Mention)“ hält es keinen mehr auf dem Sitz. Die Gänge zwischen den Sitzreihen füllten sich mit Tanzenden.

Stimmung so exzellent wie die Band, die sich durch ihre Geschichte spielt

Coole Jazz‑Riffs, mitreißender Soul-Pop, ein elektrisierender Sound aus Trompete, Saxophon, Bass, Percussion, Keyboard und Drums, dazu die Energie, die Hucknall mit spielender Leichtigkeit verströmt, bringen die Fans in Wallung. Bei „If You Don’t Know Me by Now“ liegen sie sich in den Armen und singen hingebungsvoll mit. Große Melodien, große Gefühle.

Die Stimmung ist so exzellent wie die Band, die sich kreuz und quer durch ihre 40-jährige Geschichte spielt – von den Anfängen bis heute, von „Picture Book“ (1985) bis „Time“ (2023). „Fairground“, „Something Got Me Started“, „Holding Back the Years“ oder „Stars“ – Simply Red liefern das, was ihre Fans hören wollen. Dazu gehören auch ihre Klassiker wie „For Your Babies“, „Say You Love Me“ und „Sunrise“.

Frontmann Hucknall (zunächst im Jackett, beizeiten nur noch im schwarzen Hemd) betont in Leipzig mehrmals, wer seine musikalischen Vorbilder sind: die Motown-Klassiker der 1960er-Jahre. Und natürlich bringt er seine Versionen zum Vortrag, „Reach Out I’ll Be There“ von den Four Tops etwa oder „It’s Only Love“ von Barry White.

Schon vor Konzertbeginn skandieren Fans „Zugabe! Zugabe!“

Simply Red gehören bis heute zu den erfolgreichsten Bands der Welt: Mehr als 60 Millionen verkaufte Alben, fünf Nr.-1-Alben in Großbritannien, 1,8 Milliarden Streams auf Streaming-Plattformen sowie über eine Million YouTube-Abonnenten sprechen für sich. Alle 13 Studioalben von Simply Red erreichten in Großbritannien die Top 10.

Das Leipziger Publikum genießt den Abend sichtlich, ist begeistert. Die Fans erleben einen Mick Hucknall in blendender Verfassung, einen großartigen Sänger, der gemeinsam mit seinen Musikern den Beweis abliefert, dass ihre Songs von zeitloser Schönheit sind. Auch nach 20, 30 oder 40 Jahren klingen sie frisch und unverbraucht und machen Menschen glücklich. 

Ganz in diesem Sinne bekunden einige Fangruppen schon Minuten vor Konzertbeginn, dass sie von Simply Red nicht genug bekommen können. Sie skandieren „Zugabe! Zugabe!“

Nach Hamburg, Leipzig und Berlin stehen weitere Simply-Red-Gastspiele in München, Nürnberg, Mannheim, Stuttgart, Oberhausen, Hannover und Köln auf dem Plan. Den Abschluss bildet am 1. November 2025 ein Konzert in Frankfurt am Main.